Historisches Museum Frankfurt: Die Ausstellung »Kein Leben von der Stange« erzählt Geschichten von Arbeit, Migration und Familie

Ein Fahrrad über und über in bunte Pelzstoffe eingewickelt, ein Gestell vollgehängt mit Zwirnrollen in allen Farben rund um zwei exemplarische Nähmaschinen: zwei Esponate im 3. Stock des Historischen Museums, die sehr bestimmt auf die Frankfurter Geschichte verweisen. Die Kürschner-Zunft im Bahnhofviertel war in den Fünzigern eine ebensolche Domäne der Griechen in der Stadt, wie es heute etwa die Änderungsschneidereien für Türken sind. Eingebettet von Fotografien, Informationen, Briefdokumenten und Berichten sind die Exponate Teil der Ausstellung des Stadtlabors »Kein Leben von der Stange. Geschichten von Arbeit Migration und Familie«. Demonstriert wir dort mit vielen anderen Beispielen, wie Zuwanderer in den verschiedensten Epochen das Stadtbild von Frankfurt prägend verändert haben. Über die Hälfte der Bevölkerung der Mainmetropole von heute hat einen Migrationshintergrund.
Bis zum 5. April noch zeigt das Haus am Römerberg in neun Beiträgen die verschiedenen Phasen der jüngeren Einwanderungsgeschichte der Stadt. Diese veranschaulichen auch, welche Auswirkungen Arbeit und Migration auf individuelle Biografien haben. Und vor allem, dass, wer emigriert, gewiss kein Leben von der Stange führt.
Den Anstoß zu der nach dieser Einsicht benannten Schau gaben junge Frankfurter Bürger, deren Eltern in den 1960er Jahren als Gastarbeiter angeworben wurden. Gemeinsam mit den Kuratoren erarbeiteten sie sieben Beiträge für die Ausstellung. Einer davon stellt unter dem Titel »Frankfurter Geschichten« 15 typische Frankfurter Migrationsgeschichten vor, vom prekär Beschäftigten bis zum hochqualifizierten Expat.
Zwei außergewöhnliche künstlerische Arbeiten greifen Aspekte von Arbeit, Migration und Familie heraus und vertiefen sie. Die Videoinstallation »Generation Einskommafünf« von Olcay Acet thematisiert Trennungserfahrungen von Kindern, die von Gastarbeiter in der Türkei zurückgelassen wurden. Schätzungen zufolge waren rund 700.000 Kinder davon betroffen.
Auch die zweite künstlerische Position, »Bitter Things«, thematisiert Familientrennungen durch Arbeitsmigration, legt den Fokus aber auf die das gängige Senden von Geschenken durch die Migranten. Vergebliche Versuche zumeist von Eltern, mit ihren Sendungen die verlorene Nähe zu ihren Kindern zu kompensieren.
Die auf Recherchen basierende Arbeit des Künstler bi’bak schlägt einen Bogen von der sogenannten Gastarbeiter-Zeit zur Gegenwart, die viele Arbeitsmigranten in Deutschland als Pfleger, in der Alten- oder Kinderbetreuung tätig sieht.

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Bis 5. April: Di.-Fr., 10–18 Uhr; Mi., 10–21 Uhr; Sa., So., 11–19 Uhr
www.historisches-museum-frankfurt.de

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