Gallus Theater & Theater Rüsselheim: Das 6. Türkei-Festival

Es ist bereits das sechste Türkei-Festival in der Region, in der Opelstadt und im Frankfurter Gallus geht es über die Bühnen. Kamil Kellecioglu, Leiter des Türkischen Theaters Frankfurt (Türk Tiyatro Frankfurt) war dafür lange in seiner Heimat unterwegs und hat sich fast 30 Theaterstücke angesehen. Dass er nur vier nebst einem Kinderstück zur Aufführung in Deutschland bringt, liegt in erster Linie am limitierten Budget, gilt es doch über die Engagements hinaus, auch Flüge und Unterkünfte zu finanzieren. Dass er großartige Ensembles und hervorragende Stücke – allesamt mit deutschen Untertiteln – zeigt, dafür verbürgt er sich.
So werden Besucher des Festivals vor zwei Jahren unschwer die Gruppe Hayal Perdesi mit ihrem Boris-Vian-Abend erinnern. Dieses Mal kommen die Istanbuler zur Eröffnung mit einer eigenwilligen Bearbeitung eines Klassikers ins Abendland: dem Sehnsuchtsdrama »Üc Kiz Kardez – Drei Schwestern« von Anton Tschechow. Der Regisseur Alexandar Popovski, Ex-Direktor des mazedonischen Nationaltheaters, hat es für drei Schauspielerinnen konzipiert. Dass der Ort, an dem sich ihre Träume realisieren sollen, nicht der Ort sein kann, an dem sie leben, haben Masha, Olga und Irina weit über ihre Zeit und geographischen Grenzen hinaus mit vielen gemeinsam. (5. April um 20 Uhr im Gallus).
Am 14. April (20 Uhr) wird im Gallus ein aktuelles Thema aus türkischer Sicht angepackt: Die Produktion des Staatstheaters Istanbul »Can Yelegi – Die Rettungsweste« von Gönöl Kilicim thematisiert Menschen auf der Flucht am Beispiel einer Mutter, die an einem neuen Ort an ihrem alten Leben festzuhalten sucht.
Die Gruppe Objektif Sahne dagegen richtet sich an Kinder ab drei Jahren und erzählt von zwei ziemlich gegensätzlichen Freunden. »Karagöz ögreniyor – Hacivat und Karagz« heißt das Stück (7. April um 15 Uhr). Damit es keine Missverständnisse mit Naschkatzen gibt, sei vermerkt, dass das türkische Wort Sahne leider nur für Bühne steht.
Im Theater Rüsselsheim (Am Treff 7) ist am 6. April (20 Uhr) das Stück »Mechul Pasa – Der unbekannte Pascha« zu Gast, das vom Verbot einer Satirezeitschrift und von den Drangsalen gegen deren Mitarbeiter handelt. Erzählt wird die Geschichte von »Marko Pasa«, dem legendären ersten Satiremagazins der Türkei – aus dem Jahr 1946! Die aufregende Produktion ist übrigens auch beim Heidelberger Stücke-markt zu sehen.
»Gec Kalanlar – Die Verspäteten« ist ein zeitgenössisches Stück, das vom Ungenügen des modernen Lebens erzählt. Statt uns aus jedem Tag einen schönen zu machen, lässt uns das Konsumdenken das mögliche Glück auf die Zukunft projizieren. Wahrhaft kein türkisches Problem allein, wie wir am 13. April (20 Uhr) ebenfalls in Rüsselheim erfahren.
Übrigens gibt es nach allen Aufführungen vor Ort Gespräche mit den Akteuren und begleitende Workshops zu den Stücken beim Tiyatro Frankfurt in der Frankfurter Höhenstraße 44. Infos dazu gibt es auf den Homepages.

gt (Foto: © Emre Molaoglu)
4. bis 14. April in Frankfurt und Rüsselsheim
www.gallus-theater.de
www.tiyatro-frankfurt.de
www.theater-ruesselsheim.de

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