Gallus Theater: Das E9N macht einen Strauß auf und zeigt noch viermal »Szenen eines Kulturvolks«

So vielfältig und einzig sich die Frankfurter Theaterszene auch selbstgefällig nennen mag, das Prädikat eines Unikats können sich nur ganz wenige ans Revers heften. Mehr noch als das Willy-Praml-Theater, das vielen da ad hoc einfallen mag, kann sich so das vor allem ästhetisch als Antipode zu verortende Ensemble 9. November schmücken. Seine künstlerischen Leiter, die einstige Literaturdozentin Helen Körte und der Philosoph, Dozent und bildende Künstler Wilfried Fiebig, haben ein einzigartiges Format entwickelt, das die verschiedensten Künste in einer zirzensischen Pracht zu vereinen weiß. Solche Feste der Sinne, auch des Intellekts, die sich meist auf literarische Vorlagen beziehen, gibt es sonst nirgendwo.
Drei Termine sollten sich die E9N-Fans wie auch alle, die es werden wollen, für den Oktober reservieren: für die beiden eigenständigen Highlights-Abende den 19. u. 20. sowie einen der vier Termine (siehe unten) von »Szenen eines Kulturvolks«. Gezeigt wird im ersten Teil ein Programm, das sich über beide Abende erstreckt und in zweimal sechs Szenen das weite Spektrum der bisherigen Arbeiten des Künstlerduos mit mancher Neuerung und einigem noch nie Gezeigtem ahnen und schillern lässt. – Zauber inklusive: von Margaret Atwoods »Gute Knochen« über Laurent Quintreaus »Tanz der Heuschrecken« bis zu Federico Fellinis »La strada« und Garcia Lorcas »Bluthochzeit«.Dass das Scharen von Frankfurter Schauspielern und Schauspielerinnen zusammen kommen, die man lange nicht sah, versteht sich. Insgesamt hat das Ensemble 9. November seit seiner Gründung dreißig choreografierte Musiktheaterstücke kreiert.
Der zweite Block des Jubiläumsmonats gilt jenem so ganz anders gestalteten Stück, das am Anfang des Ensembles steht und diesem anlässlich der Gedenkfeiern zum 50. Jahrestag der Pogromnacht am 9. November 1989 zu seinem Namen verhalf: das als Oratorium konzipierte »Szenen eines Kulturvolks«. Die mit acht Darstellerinnen, neun Musikerinnen und einer Mezzosopranistin bestrittene Arbeit basiert auf Fanja Fénelons autobiografischem Buch »Das Mädchenorchester von Auschwitz« und machte das E9N schlagartig und über die deutschen Grenzen hinaus bekannt. Weil sie immer wieder darauf angesprochen und darum gebeten werden, nehmen Fiebig und Körte das bisher schon rund sechzigmal aufgeführte aufwendige Stück wieder auf. Aber auch, weil es ein passendes Stück zu den jüngsten Entwicklungen in der Bundesrepublik ist.

gt (Foto: Tanz der Heuschrecken, © Sabine Lippert)
Termine »Highlights«: 19., 20 Oktober, 20 Uhr
Termine »Szenen«: 24., 26., 27. Oktober, 20 Uhr; 28. Oktober, 18 Uhr
www.e9n.de

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