Frankfurter Autorentheater (FAT) zeigt »Herzversagen oder Schön waren wir alle«

Wohl dem, der Romy Schneider und ihre Geschichte kennt, an diesem Abend im Theater in der Brotfabrik. Denn Wolfgang Spielvogel, Autor, Regisseur und Gründer der FAT-Bühne, lässt mit dem Ensemble 36 Grad beim faktenfundierten Blick auf das Seelenleben der österreichischen Filmikone seiner Phantasie ziemlich freien Lauf.
»Herzversagen oder Schön waren wir alle« ist ein Titel, der einerseits auch für die ärztliche Diagnose des Todes von Schneider steht und zum anderen aus Hildegard Knefs Romy-Betrachtungen zitiert. In der Unterzeile nennt der Theatermacher sein Werk »eine deutsche Fiktion«. Und die zeigt uns Romy Schneider nicht als Weltstar im Gram über den teutonischen Sissi-Fluch, sondern als sensible Interessierte Frau in einer von Libertinage und Revolte geprägten Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs.
Spielvogel lässt die Titelfigur von gleich drei Frauen (Manuela Koschwitz, Michaela Conrad, Sandra Baumeister) darstellen, während die Männer sämtlich von Franz Fischer verkörpert werden. Mit im Spiel sind der unglückliche Gatte Harry Meyen, der Suizid begehen wird, und ihr zwielichtiger Liebhaber Alain Delon, aber auch Axel Caesar Springer, Andreas Baader, Rainer Werner Fassbinder und der Bankräuber, Schauspieler und Autor Burkhard Driest (»Die Verrohung des Franz Blum«), zu dem Schneider 1974 in einer Talkshow von Dietmar Schönherr folgenreich sagte »Sie gefallen mir. Sie gefallen mir sehr …«. Folgenreich für Driest, der bis heute von den Spekulationen zu zehren weiß – als Maler etwa von Romy-Nacktakten.
Mit seiner Driest-Vernissage in einer Frankfurter Galerie vor gut drei Jahren geht es denn auch los in der Brotfabrik, wo, in rotes Dämmerlicht getaucht, ein ausladendes Kingsize-Bett die Parkettbühne fast allein für sich beansprucht. Flaschen und Gläser stehen verlassen herum, ein kleiner Schminktisch an der Seite, schwarz und knapp gekleidet fläzen sich sektschlürfend die Romy-Wiedergängerinnen als Bewerberinnen für ein neues Driestprojekt. An den Wänden ahnen wir Kopien seiner Pinselkunst: »gerahmte Wichsvorlagen für den gehobenen Geschmack«. Als der Lebemann geht, fragen sie sich »Wer geht mit?«. Das ist dann weniger Romy und mehr Vorlage.
Auf den Macho Driest folgt der Opernregisseur Meyen in polterndem Hessisch. Mit einem Lichtwechsel ins Blau ziehen der Film »Swimmingpool«, dessen Drehbuch Romys eifersüchtigen Gatten aufregt, und die befremdliche Einladung des Paares in das Haus des Bild-Verlegers auf Sylt als Themen herauf. Schneiders vorübergehende Flucht aus dieser Welt, die es wohl wirklich gab, lässt Spielvogel über eine radikale Berliner Polit-WG in seine eigentliche deutsche Fiktion münden: ein finales Filmprojekt der Schönen mit dem Biest Rainer Werner Fassbinder über die Entstehung der RAF. Mit Romy als Ulrike Meinhof und Alain Delon als jenem Unbekannten, der bei der Befreiung Baaders in Moabit den Aufseher der Gefängnisbibliothek erschoss. Weniger ein dramatisches Spiel mit Handlung als kleine reizvolle intellektuelle Spielerei mit vielen Unbekannten von kaum mehr als leichten fünf Viertelstündchen.

Winnie Geipert (Foto: © 36 Grad)
Termine: 15., 16. Februar, 20 Uhr; 17. Februar, 18 Uhr
www.fat-web.de

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