English Theatre ecothrillt das Publikum jetzt mit »The Children«

Greta Thunberg, diesen Hinweis sind wir schon dem Titel des Stücks verpflichtet, würde es bestimmt empfehlen, wenn sie das nicht schon längst tut. Lucy Kirkwoods Ökothriller »The Children« feierte im November 2016 in London und zwölf Monate darauf am Broadway Premiere und wird seither weltweit aufgelegt. Jetzt also, wenngleich nur im sprachlichen Original, auch in Deutschland, wo bisher nur Kirkwood-Titel wie »Mosquitos« und »Die Schöne und das Biest« auf den Spielplänen stehen. Auf jeden Fall beweist Intendant Daniel Nicolai einmal mehr sein feines Näschen, wenn es denn nicht sein glückliches Händchen ist. »The Children« ist durchaus – Fridays for Future – ein Stück der Stunde.
Dabei lässt sich das Ganze gar nicht wie ein Ökothriller an, wenn Rose aus den USA völlig überraschend in der idyllisch einsamen Küstenvilla, einer Art Alters-Shangri-La, ihrer früheren Kollegen Hazel und Robin erscheint. Wissenschaftler waren sie, der Kern-Physik, um genauer zu sein, und wohl auch mehr als eng befreundet vor über 30 Jahren, jedenfalls, was Robin und sein Verhältnis zu den beiden Frauen angeht. In das so harmlos scheinende Welcome-Gespräch zwischen Rose und Hazel über den Segen von gesunder Ernährung und Sport, über Joghurt, Yoga und Selbstanbau, mischen sich unheilvolle Untertöne, die in die Vergangenheit führen. Zu ihrer persönlichen Geschichte – War da mehr zwischen Robin und Rose? Ist da gar noch immer mehr? – und dann auch zu dem Projekt, das die drei wissenschaftlich verfolgten. Die Wartung des unweit von hier stillgelegten Atomreaktors.
Das Auftauchen von Rose, so spürt man schnell, kann kein Zufall sein. Jedenfalls keiner, wie der, den sie sie zu dritt erlebten, als in einer wissenschaftlich nahezu auszuschließenden Folge von Geschehnissen sich vor über 30 Jahren vor ihren Augen die Katastrophe ereignete. Auch Fukushima, wissen wir, ereignete sich mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 1.000 000. Oder waren es zwei?
So weit das Stück, das, ganz nach dem Ödipus-Drama gestrickt, erst im Rückblick erkennen lässt, mit wem wir es bei den Beteiligten in Wirklichkeit zu tun haben. Aber es gibt sich damit, so viel sei nun doch verraten, bei weitem nicht zufrieden und geht weit über die Vergangenheitsbewältigung dreier Best-Ager hinaus. Sonst wäre es auch für Greta & Co. nicht so prickelnd. Die unheimliche Reise, auf die sich der Besucher wie auf einen Horror-Ride in Disneyland begibt, wird live und in Echtzeit erlebt und ohne Pause in einem Rush gespielt. Regie führt in dem mehr im Back-off als im Thema dem All-About-Women-Motto folgenden Thriller, die Britin Psyche Scott.

gt (Foto: English Theatre)
17. Mai bis 28. Juni
Di.–Sa. 19.30 Uhr, So. 18 Uhr
www.englishtheatre.com

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