Elektromärchen (111)

Es war einmal … – nein, nicht die schwarz-grüne Koalition; das weiß ich ja zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Zeilen noch gar nicht. Da sind mir die Leser und -innen dann kurz nach Hefterscheinen weit voraus. Nein, es war einmal der Traum, ein Automobilantrieb zu schaffen, der sauber, leise, ökologisch und sonst noch irgendwie ganz toll und zukunftsträchtig sein sollte. Und so machte sich denn Anfang dieses Jahrtausends ein südafrikanischer und später kalifornischer Zukunftsdenker daran, die Welt mit elektromotorbetrieben Autos zu beglücken. Das war nun eigentlich keine revolutionär neue Idee, war doch der Beginn des automobilen Zeitalters schon durch den Elektroantrieb bestimmt. Der wohl erste elektrisch angetrieben Personenkraftwagen kam 1888 aus einer Coburger Maschinenfabrik. Dieser Antrieb musste sich dann aber dem Herrn Otto und seiner Erfindung des knatternden und stinkenden Verbrennungsmotors geschlagen geben, der mit den Vehikeln der Herren Daimler und Benz dann den Siegeszug um die Welt antrat, und wie so oft nach Siegeszügen, nicht nur das Heil der individuellen Mobilität sondern letztlich auch das Unheil von Luftverschmutzung und CO2 über uns brachte.
So gab es dann immer mal wieder Versuche, den Elektroantrieb wiederzubeleben. Sie scheiterten aber vor allem an der als Stromtank dienenden Batterie – zu schwer, zu teuer, zu wenig effizient. Jener in Südafrika geborene Elon Musk war es dann, der sich mit seinen aus den Anteilen des Bezahldienstes paypal erworbenen Millionen daran machte, die Welt mit seinen Technikideen zu beglücken. Sein elektromotorgetriebenes Luxusgefährt Tesla wurde nun zum Sinnbild zukunftsweisender Automobiltechnologie. Nun, zur Geldverbrennungsmaschine Musk hab ich ja schon in anderen Meckereien hämische Bemerkungen fallen lassen. Die muss ich jetzt hier nicht wiederholen. Tatsache ist, dass durch seinen »Erfolg« der batteriebetriebene Elektroantrieb zur Hoffnungstechnologie der Kritiker des Verbrennungsmotors wurde.
Die deutsche Automobilwirtschaft, einer der Träger des deutschen Wirtschaftserfolges, sah sich dem Vorwurf ausgesetzt, diese Zukunft zu verschlafen und stattdessen weiterhin auf das Verbrennen fossiler Brennstoffe zu vertrauen (lassen wir hier mal diesen ganz Dieselsumpf beiseite). Völlig in den Hintergrund tritt dann bei dieser Auseinandersetzung zwischen altmodisch und umweltschädigend auf der einen und fortschrittlich und sauber angetriebenen Autos auf der anderen Seite, dass zum einen damit das Problem der zu vielen und häufig auch zu großen PKWs vor allen in den Ballungsräumen überhaupt nicht behoben, weil nicht antriebsabhängig ist. Zum anderen ist der batterieabhängige Elektroantrieb ja bekannterweise mitnichten ökologisch einwandfrei und nachhaltig, insbesondere verursacht durch die »schmutzige« und ressourcenverschwendende Batterieproduktion. Mal ganz abgesehen von der geringen Alltagstauglichkeit aufgrund der geringen Reichweite, fehlender Ladestationen, langer Aufladezeiten etc.
Während die »soziale Verschmutzung« durch das Auto (Verkehrsbelastung) politisch gelöst werden kann und muss, ist bei der Frage der Antriebstechnologie die immer wieder beschworene Ingenieurskunst gefragt. Die derzeit sauberste Antriebsart ist die Brennstoffzelle – die Vereinigung von Wasser- und Sauerstoff, aus dem Chemieunterricht auch als Knallgasreaktion bekannt, lediglich Wasser als Reaktionsprodukt. Sicher, die Probleme der Herstellung von Wasserstoff und dessen Lagerung sind noch nicht optimal und wirtschaftlich gelöst. Aber allein die häufig wegen Überlastung der Stromnetze abgeschalteten Windkrafträder könnten in diesen Pausen den Strom für die Wasserstofferzeugung in kleinen dezentralen Anlagen liefern. Hier könnte eine ökologisch orientierte grüne Wirtschaftspolitik durch gezielte Förderung Beispielhaftes leisten. Aber – wie schon anfangs gesagt – das Ergebnis der Landtagswahl ist bei Redaktionsschluss noch sechs Tage entfernt.

Jochen Vielhauer

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