»Downsizing« von Alexander Payne

Klein, aber oho!

Klimakatastrophe und Überbevölkerung – dagegen haben die norwegischen Wissenschaftler in Alexander Paynes »Downsizing« endlich ein probates Mittel gefunden. Der Schlüssel zur Rettung liegt im Einschrumpfen des Menschen auf etwa ein Zwölftel seiner ursprünglichen Größe. Kleine Männer und Frauen verbrauchen weniger Ressourcen und der Abfall eines Winzlingshaushaltes für ein Jahr umfasst gerade einmal einen Müllbeutel.

»Leisure Land« nennt sich das Miniaturparadies, das auf wenigen Quadratmetern unter einer Glasglocke das bürgerliche Glück in synthetischer Form perfektioniert hat: Kleine Villen, Golfplätze, Schwimmbäder, Einkaufszentren reihen sich maßstabsgetreu aneinander. Hier kann man für kleines Geld auf großem Fuß leben, denn – so rechnen die Anbieter ihren Kunden vor – das Ersparte ist hier hundertmal mehr wert als in der alten Welt.
Paul Safranek (Matt Damon) und seine Frau Audrey (Kristen Wiig) gehören zur Zielgruppe des Unternehmens. Als Krankengymnast wird Paul finanziell nie auf einen grünen Zweig kommen, in »Leisure Land« hingegen könnten alle Träume des Paares von einem Leben in Komfort und Wohlstand wahr werden. Aber eine Verkettung misslicher Umstände führt dazu, dass Paul dort ein trostloses Single-Dasein mit einem langweiligen Bürojob führt. Das Blatt wendet sich erst, als er den europäischen Lebemann Dusan (Christof Waltz) und wenig später dessen Putzfrau Ngoc Lan (Hong Chau) kennenlernt. Ngoc führt Paul in die Welt hinter der Schutzmauer, wo die Marginalisierten des Miniaturparadieses leben …
Mit »Downsizing« entwirft Alexander Payne (»The Discendants«, »Sideways«) eine Sozialsatire im Science-Fiction-Format. Dabei sorgt die keineswegs neue, aber originell umgesetzte Verkleinerungsprämisse nicht nur für den üblichen Perspektivwechsel, sondern bietet auch den Nährboden für einen bissigen Kommentar auf den schrumpfenden Mythos des amerikanischen Traumes in Zeiten wirtschaftlicher und politischer Perspektivlosigkeit. Aber Payne hält sich nicht krampfhaft an seiner Eingangsidee fest, um sie gründlich durchzubuchstabieren, sondern nutzt sie als Startrampe für eine wendungsreiche, unberechenbare Geschichte, in der sich Satire-Elemente, skurriler Humor, Endzeitvisionen und eine wunderbar schräge Romanze vermischen.
»Downsizing« ist ein Film, der sich dem abgesicherten Modus konventioneller Erzählformate entzieht, ohne in angestrengte Plotakrobatik zu verfallen. Auf das Ausformulieren politischer Botschaften verzichtet Payne, stattdessen eröffnet er Assoziationsräume, in denen man Tendenzen der Gegenwart reflektieren kann.
Sein offener Umgang spiegelt sich auch in der Anlage und dem Werdegang der Charaktere wider. Das gilt besonders für die Figur der vietnamesischen Putzfrau, die umsichtig aus der Karikatur herausgeführt wird, gerade durch ihre begrenzten Sprachkenntnisse die Dinge genau auf den Punkt bringt und die Wohlstandsphantasien in der sozialen Realität erdet. Die vietnamesisch-amerikanische Schauspielerin Hong Chau ist eine echte Entdeckung und überzeugt gleichermaßen durch komödiantisches Timing und emotionale Tiefe.

Martin Schwickert
DOWNSIZING
von Alexander Payne, USA 2017, 135 Min.
mit Matt Damon, Christoph Waltz, Hong Chau, Jason Sudeikis, Kristen Wiig, Rolf Lassgård, Tragikomödie
Start: 18.01.2018

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