Die Schmiere begeistert mit ihrem neuen Programm: »Hart aber Fake. Alternative Faxen«

Der Titel sagt’s: Das Frankfurter Kabarett-Theater Die Schmiere nimmt die politischen Herausforderungen der Gegenwart sportlich. Wie schwer es heute ist, Gefaketes von Ungefaketem – schreibt man das so? – zu unterscheiden, gibt das Quartett mit Effi B. Rolfs, Gabriele Meyer, Walter Jauernich und Jan-Markus Dieckmann schon mit dem ersten »Aufreger« vor, der Gerhard Schröders Beauty-Operation für das Dschungelcamp kolportiert. Aus der Welt, seien wir ehrlich, ist das nicht. Und deswegen, so unsere ehrliche Reaktion, auch nicht wirklich zum Lachen.
Das aber gibt es im Folgenden reichlich auf der als Fernsehstudio zu fassenden Bühne, die zur Einblendung von Filmbeiträgen mit einem nagelneuen HD-Bildschirm aufwartet. Wir sehen zwei hessische Kanzlerin-Kandidatinnen beim Phrasen-Slalom durch die jüngsten Wahlslogans. Welche die besseren Chancen hat, bleibt zwar offen, sehr viel aussichtsreicher, nicht zuletzt für den Stadtsäckel jedenfalls, scheint die Einrichtung eines Trauerbeauftragten zu sein, der dem Wildwuchs an öffentlichen Beileidsbezeugungen nach Selbstmordattentaten, Schulamokläufen, LKW-Anschlägen auf Wochenmärkte oder auch Kindesmissbrauch mit anschließender Tötung endlich Einhalt gebieten soll. Ist denn jedem, der da ein gefühliges Teelichtlein aufzustellen meint, eigentlich klar, wie leichtsinnig er mit Feuer umgeht? Oder dass das komplette Gewusel an Grünzeug, Blumen, Buntstift-Malbildern und Kuscheltieren auch umweltgerecht entsorgt werden muss? Die Lösungen, die das neue Frankfurter Amt für Trauerbewältigung für einen geordneten Trauerverkehr anbietet, überzeugen.
Weil es im Kabarett eigentlich immer um alternative Fakten geht, ist das Fernsehformat für die gut zwei Dutzend lose zusammengefügten Szenen und News nicht zwingend. Dabei greift das Ensemble auch auf Publikumslieblinge wie das Rentnerduo Meyer/Jauernich zurück, das als mobiles Einsatzkommando mit Rollator und Hörgerät diesmal dem Lehrermangel abhilft und seinen neuen Hit aus den Senioren-Charts präsentiert: »Ja, das ist die Time of Life« – ganz großes Kino.
Aufs Korn nimmt das politisch-unmissverständliche Humorkombinat aber auch die Unterversorgung im Gesundheitssystem, die SPD-Schlafdroge Martin Schulz, die Political Correctness, die Erziehung zum Angsthasen, den lokalpolitischen Größenwahn, die EU-Regulierungswut oder auch Computer-überwachte Ernährung. Wussten Sie, dass Sitzen das neue Rauchen ist? Ein Höhepunkt der von Marc Ermich inszenierten schillernden Schau ist das Bauchredner-Duo der Handpuppe Piet mit ihrem sprachgestörten Halter Walter. Selten so gelacht.

Winnie Geipert (Foto: © Thomas Kiessling)
Termine: 19., 22., Dezember, 20 Uhr; 30. Dezember, 19 Uhr
www.die-schmiere.de

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