Corona 4: Die Lebenden und die Toten

Die endlosen und teils unangenehm selbstgerechten Corona-Kommentare gehen einem zunehmend auf den Zeiger. Den ganzen Tag über wird multimedial aufs Unerträglichste Alarm geschlagen.

Gleichzeitig werden die Leute, deren Existenz (und auch Lebensinhalt) unmittelbar bedroht ist, und die nach Millionen zählen und sich – nicht nur – deshalb wehren, für asoziale Killer ihrer Omas und Opas gehalten, die mit harten Strafen verfolgt werden sollten. Hart, härter, Söder, das skandiert eine große Mehrheit der Bevölkerung, will noch mehr davon, denn jeder ist eines jeden Infektionsherdes – steht das nicht schon in der Bibel?

Alle Corona-Aktionismus-Gegner werden von vornherein als Verharmloser, rechtsradikale Spinner oder linksradikale Autonome diffamiert. Einige sind es zugegebenermaßen auch, denn der Gaußschen Normalverteilung zufolge, muss jede Population auch eine Reihe von Arschlöchern enthalten.

Wenigstens sitzen in den Gerichten noch ein paar vernünftige Leute. Wie lange die dem Druck der Straße, heißt heutzutage der Medien, noch standhalten können, ist fraglich.

An den mangelhaften Statistik-Kenntnissen, mit denen da polemisiert wird, kann man zudem mit Fug verzweifeln. Allen sollte doch mittlerweile klar sein, dass Fallzahlen allein wenig aussagen, sondern nur in einen Bezug gesetzt, der sie vergleichbar macht. Man kann die Fallzahlen eines Landes wie Frankreich nicht mit denen der USA vergleichen, denn die Bevölkerung der USA ist mehr als fünfmal so groß wie die von Frankreich. Diesen Bezug hergestellt sehen die Amis im Vergleich nicht so schlecht aus, wie immer behauptet wird, während Belgien, über das niemand redet, weltweit am schlechtesten dasteht.

Die Zahl der Neuinfektionen, die so viel Aufregung erzeugt, hat zudem wenig Aussagekraft. Sie wird als durchaus nützliches Indiz verwendet, von dem man Hinweise auf das Infektionsgeschehen erhofft, dessen Veränderung mithilfe von Annahmen und Modellen zu Vorhersagen über Gefahren und Engpässe führen soll, die bisher aber alle nicht eingetroffen sind.

Mittlerweile sind etwa 42 Millionen Menschen (Stand Mitte Oktober 2020) weltweit infiziert – also 0,54% der Erdbevölkerung. Der Anteil der Toten unter den Infizierten beträgt rund 2,4%. Das gilt auch für Deutschland.

Die Gesamtzahl der Toten in Deutschland pro Jahr beträgt etwa 950.000. An Herz-Kreislauferkrankungen sterben etwa 345.000 (36%). Von insgesamt 425.000 Corona-Infizierten in Deutschland sind bereits 325.000 genesen (76%), 90.000 (23%)  noch erkrankt (wie schwer ist unbekannt), 10.000 gestorben. Wenn man die sich in Behandlung befindlichen im selben Verhältnis wie Genesene und Tote gewichtet, ergibt sich eine Letalität von 2,385%, was sich mit den Zahlen der Welt deckt.

Es ist also immer noch so wie von Anfang an berichtet: rund 90% aller Infizierten haben milde oder keine Symptome, 5% können zuhause behandelt werden, für den Rest wird es gefährlich bis tödlich. Die Risikogruppen sind im Großen und Ganzen identifiziert, das Risiko steigt eindeutig und exponentiell mit dem Alter und jeder, der zu den Risikogruppen gehört, weiß es mittlerweile. Ansonsten kann und muss jeder selbst entscheiden, welche Risiken er in seinem Alltag eingehen will.

Die Maßnahmen: keine Großveranstaltungen, alle sollten Abstand halten, Hygiene walten lassen und Maske tragen – sind angemessen und vernünftig. Mehr kann man nicht machen, mehr ist auch nicht nötig.

Das Infektionsgeschehen ist ohnehin nicht zu stoppen, solange Menschen überhaupt Kontakt haben. Es ist zudem »diffus« geworden, d.h. Ansteckungsherde und -ketten sind nicht mehr nachzuverfolgen. Die Zahl der Kranken wird jedenfalls und unvermeidbar weiter steigen. Ein weiterer Lockdown kann dies nach aller Logik bestenfalls für ein paar Wochen verlangsamen.

Es ist aber ein Unfug zu behaupten, dass ein zweiter Lockdown auch ökonomisch vertretbar sei, weil die Folgen des ersten es gewesen seien. Denn dabei wird übersehen, dass das nur deswegen so war, weil die Leute noch Reserven hatten, die nun, nach 9 Monaten Dürre, aufgebraucht sein dürften. Der zweite Lockdown hat also andere Voraussetzungen als der erste. Er wird gleichzeitig verheerender und ineffektiver sein, denn nicht nur seine Erfolgschancen sind schlechter, auch die Zustimmung dazu dürfte geringer ausfallen als beim ersten.

Und was immer da behauptet wird: der Staat ist NICHT verantwortlich für die Gesundheit des Bürgers, er kann es nicht sein, kann Gesundheit genau so wenig garantieren wie Glück. Der Staat kann angemessene Rahmenbedingungen setzen, wenn die Gesundheit aller insgesamt bedroht ist, und deren Einhaltung angemessen durchsetzen. Was da aber heute überall an Restriktionen beschlossen und begrüßt wird, davor haben mittlerweile viele Leute mehr Angst als vor Corona.

Lassen Sie uns also lieber mehr über die Lebenden reden als über die Toten.

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