Die Kunsthalle Schirn präsentiert John M Armleders »CA.CA.«

Na, so in etwa! So ungefähr ließe sich der Titel der Ausstellung »CA.CA.«, sprich: zirkazirka, deuten. Die Frage aber, ob das wirklich nur in etwa Kunst ist, was sich dem Besucher von John M Armleders Schau in der Kunsthalle Schirn offenbart, hat es in sich. »Da stimmt alles«, bringt die Schirn-Kuratorin Ingrid Pfeifer in entwaffnender Schlichtheit ihre Verblüffung bei der Begegnung mit den Arbeiten des in den USA lebenden Schweizer Konzeptkünstlers mit Fluxus-Hintergrund auf den Punkt.
Armleder hat der Schirn einen Raum mit älteren Arbeiten und auch eigens aus diesem Anlass geschaffenen Werken kunstmöbliert. Das aus einem guten Dutzend von Objekten gebildete Ensemble fungiert hier als Gesamtkunstwerk mit dem Nimbus der Einzigartigkeit. Gemälde, Skulpturen, Installationen, alles dabei. Nicht, dass es hier ein Thema, einen gemeinsamen Nenner außerhalb des Hier und Jetzt dieser Konfiguration und der guten Laune gäbe, die es nolens volens verbreitet: Wir sehen in diesem lichten mit einem großen, bisher meist verstellten Fenster ausgestatteten Raum zum Beispiel ein von Kübeln mit Echt- und Kunstpflanzen gesäumtes begehbares Treppengestell, das dem Ensemble pars pro toto den Titel »CA.CA« verleiht; dazu finden sich seitlich ein in türkisen Plüsch gekleideter Katzenkratzbaum, zu Füßen der Treppe eine am Boden ausgebreitete Mikado-Konstellation aus bunt leuchtenden Leuchtstäben und ein hingeworfener Flokati namens dreifachem »No Pain. Just Gain«. Wir erblicken zwei umgestülpte Kinderrutschen, die an eine helle Totenkopftapete lehnen, einen Ledersessel im Arne-Jacobson-Design vor einer mit blau bepunkteten Wand, ein bemaltes Piano und manches mehr. Der nachgebaute Kratzbaum für Katzen entspreche in der Form einem in den USA gängigen Modell, ist zu erfahren, sei allerdings insgesamt um exakt zehn Prozent größer als das industrielle Vorbild – und deshalb eben Kunst.
Neu oder gar revolutionär mutet das alles nicht an. Will und soll es aber auch gar nicht. Im Gegenteil: »Ich mache nichts anderes, als das, was andere schon einmal gemacht haben«, erklärt eines der vielen Armleder-Zitate, die die Wände vor dem Eingang zieren und vielleicht die wichtigsten Hinweise zum Verständnis liefern. Denn so wie das entfremdete Katzenklo und der nicht minder entsetzte Flokati einen Deschamps zitieren, weisen auch das eigens für die Schau gefertigte großformatige und spektakuläre Schüttbild »Divino« oder der teilbemalte Konzertflügel auf Vorbilder aus in einer anderen Zeit und einem anderen Kontext. Man solle diesen Raum wie eine Komposition betrachten, meint. Ingrid Pfeiffer. Das hat etwas für sich, schafft es doch die Musik durch einen Ablauf von Tonfolgen, Stimmungen zu erzeugen, ohne dass wir wüssten, warum sie uns traurig und fröhlich macht oder tanzen lässt.
Zur Ausstellung gehört auch das frei zugängliche Discokugel-Universum Armleders in der Schirn-Rotunde, das sich in den spiegelverkleideten oberen Fenstern ausbreitet und beim Blick von unten en miniature auch den Betrachter zeigt. Winzig, wie er ist.

Lorenz Gatt (Foto: © T. Miguletz)
Bis 1. September, Di.–So. 10–19 Uhr; Mi., Do. bis 22 Uhr
www.schirn.de

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