»Der unverhoffte Charme des Geldes« von Denys Arcand

Man muss eine Menge von Unwahrscheinlichkeiten hinnehmen in diesem Film. Sein Regisseur ist durch »Der Untergang des amerikanischen Imperiums« (1986) und »Die Invasion der Barbaren« (2003) als ironischer Zeitkritiker bekannt geworden. Jetzt erzählt er eine Geschichte, wie sie so nur im Kino vorkommen kann.

Anderthalb Jahre kennen sie sich schon, als der Kurierfahrer Pierre-Paul Daoust (Alexandre Landry) seiner Freundin mitteilt, dass er einfach zu intelligent sei für diese Welt und deshalb erfolglos bleiben werde. Man mag kaum glauben, dass der mitteilungsfreudige junge Mann erst jetzt mit seiner Weltanschauung herausrückt, jedenfalls ist er damit seine Freundin los.
In der Realität würde er höchstwahrscheinlich bestätigt werden und ein Looser bleiben, im Kino fährt er kurz darauf mit seinem Lieferwagen just in dem Moment vor, als sich zwei Teams bei einem Geldraub in die Quere gekommen sind (Tarantino und Konsorten haben wohl Pate gestanden).
Am Tatort sind zwei mit Geldscheinen gefüllte Reisetaschen zurückgeblieben, die Pierre in seinem Wagen notdürftig verbirgt, bevor die Polizei eintrifft. Und erneut mag man dem Film kaum glauben, wenn die Polizei nur flüchtig in den Lieferwagen schaut, ohne die Geldtaschen zu entdecken.
Fortan hat Pierre-Paul das Problem, was er mit den Moneten anstellen kann. Er braucht professionelle Hilfe, die er von dem gerade aus der Haft entlassenen Experten Sylvain »The Brain« Bigras bekommt, dargestellt von Rémy Girard, einem alten Bekannten aus den oben genannten Arcand-Filmen. Dazu gesellt sich schließlich noch das bildhübsche und sündhaft teure Callgirl Aspasie (Maripier Morin), das sich in den schüchternen Philosophen verliebt. Eine Schublade voller Geld könnte dabei eine nicht unerhebliche Rolle gespielt haben.
Da es sich bei Pierre-Pauls Beute zudem um Mafia-Geld handelt, müssen unsere Helden nicht nur die Polizei, in Form eines besonders verbissenen Polizistenpaares, sondern auch die Mafia fürchten, die sich mit dem Mord an einem Hintermann wunderbarerweise zufrieden gibt.
Ein ehemaliger Kunde von Aspasia, der Notar Wilbrod Taschereau (Pierre Curzi), wird eingeschaltet, um das Schwarzgeld mit einer weltweiten Transaktion über viele Stationen auf das Konto einer Wohltätigkeitsorganisation wandern zu lassen.
»Der unverhoffte Charme des Geldes« ist halb Heist-Krimi, halb Sozialmärchen vom Narren mit dem goldenen Herzen. Dass die Geschichte glücklich ausgeht und der unverhoffte Geldsegen am Ende auch bei denjenigen landet, die nicht so viel Glück in ihrem Leben gehabt haben, scheint nur eine Frage der Zeit zu sein. Das lässt der Spannung, die zu einem Krimi gehören sollte, wenig Raum. Nur der an sich sympathische, aber eben das böse Kapital verkörpernde Notar kommt nicht ungeschoren davon.

Claus Wecker
DER UNVERHOFFTE CHARME DES GELDES (La chute de l‘empire américain)
von Denys Arcand, CDN 2018, 129 Min.
mit Alexandre Landry, Maripier Morin, Rémy Girard, Louis Morissette, Maxim Roy, Pierre Curzi
Komödie
Start: 01.08.2019

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