Burgfestspiele Bad Vilbel feiern »Shakespeare in Love«

Doch, schon schön in Bad Vilbel: die alte Burg, die Nidda, der Zuschauerraum mit Blick auf den Himmel bei gutem Wetter, eine Bühne aus Holz, mit Zahnrad oder Mühlrad, wie gemacht für eine Komödie oder ein Drama über den berühmtesten Poeten Englands des britischen Königinnenreichs Ende des 16. Jahrhunderts.
Doch die schönste Umgebung nutzt nichts, wenn eine Schreibblockade den Dichter hemmt. Das mit den Sonetten geht ja noch, aber was ist mit dem Drama? Der gute Will S. (Bert Tischendorf, in lockerem Outfit) müht sich ab, formuliert nur mühsam etwas, das nach Romeo und … (tja, wem nochmal?) klingen könnte. Gottseidank hilft ihm sein Freund – später auch Konkurrent Christopher Marlowe (Sebastian Zumpe, formvollendet gekleidet) auf die Sprünge und wir wohnen gute zwei Stunden einer nicht minder formvollendeten Stückentwicklung – so nennt man das heute – bei. Heraus kommt zunächst Ethel, die Piratenbraut, und irgendwann dann doch Julia Capulet.
Aber langsam, das ist das, nun ja, glückliche Ende! Inspiriert zu dieser Figur wird Will durch eine Person, die sich, aus unbezähmbaren Leidenschaft für das Theater heraus, bei ihm zum – höchst amüsanten! – Vorsprechen eingeschlichen hat. Frauen waren zu Shakespeares Zeit zwar auf dem Thron nicht aber auf der Bühne geduldet. Die junge Viola de Lesseps (Nele Sommer), verarmter Adel, verlobt mit einem reichen Anderen, ist jedoch so wild aufs Spielen, dass sie, wunderhübsch mit Schnauzer als Master Kent zurechtgemacht (Kostüme Marion Hauer), den Dichter, den Impresario und auch uns, das Publikum, schwer beeindruckt.
Es kommt, wie es kommen muss: Will und Viola verlieben sich ineinander, Verwicklungen und Verwechslungen, Schiffbruch, Piraten, die Queen herself und, natürlich, ein Hund (Königin Elisabeth liebte Hunde) spielen eine Rolle. Hahn und Eule werden durch Nachtigall und Lerche ersetzt, es wird schön gesungen (Musik: Jonathan Granzow), in der Kneipe und im Chor, und – nach der Pause – formvollendet gefochten von Shakespeare und dem rechtmäßigen, aber miesen Bräutigam Lord Wessex (Martin Bringmann).
Auf Umwegen kommt die bezaubernde Viola dann doch noch zum ersehnten Debüt auf der Bühne, aber nicht in einer Hosenrolle, sondern als Julia in der inzwischen fertiggestellten Tragödie. Mit der großzügigen Genehmigung durch die Königin (Anette Daugardt), die weiß, wie es sich anfühlt, als Frau in Männerberufen agieren zu müssen. Auch der Dichter erlebt sein Happy End, wenn auch ohne Viola: Er greift wieder zur Feder und wird, auf Wunsch der Königin, diesmal aber eine Komödie verfassen. »Welchen Inhalts?« will er wissen. »Was ihr wollt« ist die Antwort.
14 Schauspieler meistern unter der Regie von Milena Paulovics 27 Rollen, eine tolle Leistung und verständlich, dass hier nicht alle erwähnt werden können. Ein flotter Szenenwechsel verlangt aber auch dem Publikum einiges an Aufmerksamkeit ab, das mit begeistertem Schlussapplaus dankt.

Katrin Swoboda (Foto: © Eugen Sommer)
Termine: 10., 17., 26.–30. August, 20.15 Uhr; 11., 18. August, 18.15 Uhr
www.kultur-bad-vilbel.de

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