Art Foyer fokussiert unter »f/12-2« neue Fotografie

DZ-Bank Kunstsammlung: Foto Valerio SpadaZwischen Rembrandt und Weinbrand

Künstlerisch haben die Exponate der neuen Fotografie-Ausstellung »f/12.2« im Art Foyer der DZ-Bank keinen gemeinsamen Nenner. Den liefert das Geldhaus unter einem ins Fotografie-Technische gewendeten Titel eigener Provenienz selbst: Es handelt sich um Arbeiten von zwei Stipendiaten (Ulrich Gerber, Andrej Krementschouk)  und drei Stipendiumskandidaten (Valerio Spada, Robert Voit, Alexandra Baumgartner), die allesamt bereits für die der zeitgenössischen Fotografie gewidmete Sammlung der Bank erworben worden sind. Neben der 12monatigen finanziellen Unterstützung gehört auch die Ausstellung zum Preis . Gerber ist 38 Jahre alt und lebt in München Krementschouk, ist in Nischni Nowgorod geboren  als es noch Gorki hieß, und lebt seit 20 Jahren in Deutschland. Während Gerbers konzeptuelle »Bilder eines Artefakts« den Nachzüchtungsversuchen des ausgestorbene Urs gelten, wartet sein irussischer Kollege mit dem dokumentarischen Projekt »Vier Jahreszeiten« um eine nun verschwundene Obdachlosenbleibe in seiner Heimat auf, mit der er sich schon 2007 intensiv beschäftigt hatte.

»Come bury me« lautet der auf tragische Weise programmatische Titel seiner ursprünglichen Arbeit, die eine berührende Nähe zu den verelendeten Bewohnern dieser verwahrlosten, aber scheinbar autonomen Unterkunft verrät. Nichts in diesem dumpfen, alkoholisierten Amalgam von ruinierten und auch kranken Randexistenzen, in das sich der Künstler drei Monate begab, ist schön, kein Möbelstück und auch kein Mensch, selbst ein fröhlich tanzender nicht. Zwischen Rembrandt und Weinbrand wähnt man sich hier. Die Holzhütte sei ein knappes Jahr später niedergebrannt und fast alle, die da lebten, umgekommen, heißt es. Das Stipendium-Projekt hält jetzt den sich hinziehenden Aufbau eines Restaurants an diesem Ort in Bildern fest, kam aber zeitlich nicht mehr hin, auch dessen Eröffnung und neue Gäste ins Bild zu setzen.
Krementschouks Aufnahmen siedeln zwar wohltuend fern von dem, was man mit dem Begriff der Trash- oder Elendsästhetik verbindet, doch sucht man im Verfolg des mutigen Abstiegs ins Asoziale auf Zeit nach der künstlerischen Originalität und Plausibilität dieses Unterfangens. Vielleicht drängt sich der Eindruck aber auch aus dem unverbindlichen Kontext der Schau auf. Die geistesverwandten Aufnahmen von Valério Spada aus dem berüchtigten Mafia-Viertel Scampia seiner Heimatstadt Neapel wirken ebenfalls verstörend.
Der Italiener suchte nach dem Tod der in das Kreuzfeuer einer Camorra-Schießerei geratenen 14 Jahre alten Annalisa Durante deren Vater und das verrufene Viertel auf und lässt abfotografierte Ermittlungsakten der Polizei in diesem großes Aufsehen erregenden Fall mit seinen Alltagseindrücken korrespondieren. »Francescas Mother« zeigt eine verbraucht wirkende Teenager-Mutter mit ihrem Baby im Arm am Küchentisch im Kreis ihrer Mutter und des mutmaßlichen Vaters, dessen von Ohrring-gezierter Raurasur-Schädel nur von hinten zu sehen ist. Spadas 2011 in Selbstverlag verfasste Dokumentation »Gomorrhan Girl« ist mehrfach ausgezeichnet worden.  
Gerbers schwarzweiße Urviecher erinnern zwar an den spanischen Osbourne-Stier, verhandeln aber den kulturellen Kontext eines sich seit 1927 artikulierenden urdeutschen Zuchtgedankens, der lange unter dem Patronat Hermann Görings stand. Wie der Münchner Stipendiat beschreiten auch Voit und Baumgartner die Pfade der Konzeptkunst. Voit hat in nachgerade wissenschaftlicher Manier Plastikblumen fotografisch seziert, Baumgartner verwendet alte Fotografien, die sie versengt oder anreißt, zu alptraumhaften Collagen einer unbegriffenen Welt.

Lorenz Gatt (Foto: Valerio Spada)
Bis 7. März: Di. bis Sa. 11–19 Uhr
www.dzbank-kunstsammlung.de

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