20. goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films

Das Jubiläumsfestival gibt’s jetzt erst einmal online

Es hätte so schön zusammengepasst: Das 20. Filmfestival im Jahr 2020. Doch daraus wird nichts, denn das Corona-Virus macht einen Strich durch das schöne Zahlenspiel. Nun gibt es statt der geplanten 107 Filme aus 40 Ländern (mit insgesamt 21 Deutschlandpremieren) in Wiesbaden und dem Kino im Frankfurter DFF eine Hybridlösung mit Online-Angeboten und Live-Events zu einem späteren Zeitpunkt. Das Video-on-Demand Angebot besteht aus einer Programmauswahl auf Vimeo, die das Kinoerlebnis und die persönliche Begegnung von Filmemachern und Publikum nicht ersetzen kann und soll. Viele Sektionen wurden in der Hoffnung verlegt, dass die Filme später im Jahr auf der großen Leinwand im Caligari und weiteren Kinos zu sehen sein werden. Verschoben wurden das Symposium »Filmerbe der Umbruchszeit. Mittel- und Osteuropa 1985 – 1995« (24. – 27. Juli 2020), das Paneuropäische Picknick (September 2020) sowie die Wettbewerbsfilme (November 2020 bei exground). Soweit der Plan.

Aktuell ist u.a. »State Funeral« im Internetangebot. Der goEast-Stammgast Sergei Loznitsa, ein profilierter Ankläger des sowjetischen Systems, befasst sich darin mit dem Diktator Stalin am Beispiel seiner groß inszenierten Bestattung. Das Kammerspiel »Numbers – Nomery« verfügt über eine besonders originelle Entstehungsgeschichte: Nach einem politischen Schauprozess schickte der ukrainische Filmemacher Oleg Sentsov aus fünfjähriger russischer Haft Regieanweisungen für den Film an seinen Freund Akhtem Seitablaev.  In ihrem autobiografischen Werk mit dem ironischen Titel »Ivana the Terrible« schildert die in Rumänien lebende Serbin Ivana Mladenovic eine Lebenskrise.

»Es ist ein sehr starker Filmjahrgang in Mittel- und Osteuropa. Ohne Ausnahme erzählen die Filme des diesjährigen Wettbewerbs relevante Geschichten«, erläutert Festivalleiterin Heleen Gerritsen. »Sie sind zum Teil wieder recht politisch und setzen sich, oft auch schwarzhumorig, mit Themen wie Korruption oder Bürokratie auseinander. Die Bildsprache ist stark und originell.«

Das Filmangebot auf goEast On Demand ist gegen eine Leihgebühr von 6,50 Euro pro Langfilm im Festivalzeitraum vom 5. bis 11. Mai 2020 erhältlich. Nach dem Kauf steht ein Film für 24 Stunden zum Abruf zur Verfügung. Neben der Präsentation von Filmhighlights umfasst das Onlineangebot kostenfreie Programmpunkte wie eine Masterclass mit Václav Marhoul, ein Werkstattgespräch mit Radu Jude, sowie Diskussionspanels und virtuelle Ausstellungen wie »Memes aus Slawistan«.

Claus Wecker

Foto: State Funeral

https://www.filmfestival-goeast.de/

 

 

 

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