12. Lichter Filmfest vom 26.–31.3.2019 in Frankfurt

Auf ein volles Dutzend Ausgaben wird es dieses regionale und internationale Festival Ende März gebracht haben. Das ist schon eine beachtliche Leistung, wenn man bedenkt, was zuvor in Frankfurt passiert ist. Ein überambitioniertes Internationales Frankfurter Filmfestival ist nach zwei Malen gescheitert. Die Frankfurter Filmschau starb zuvor an ihrer Provinzialität.

Im Grunde war es also etwas gewagt, zwei Konzepte, die schon einzeln Probleme hatten, in einer Veranstaltung zu vereinen. Doch mittlerweile hat sich das neue Nebeneinander von regionalem und internationalem Programm bewährt. Die regionalen Filmschaffenden benötigen ja auch eine Plattform, auf der sie ihre Produktionen vorstellen und ihre Erfahrungen austauschen können. Sie haben einen Wettbewerb bekommen, der in diesem Jahr als »außergewöhnlich stark und facettenreich« vom Festivaldirektor Gregor Maria Schubert beschrieben wird. »Bewegende Flüchtlingsschicksale werden ebenso Teil des Programms sein wie ein Animationsfilm aus Frankfurt, der es locker mit den Pixar Animation Studios aufnehmen kann.« Man darf also auf den Trickfilm »Die sagenhaften Vier« von Christoph und Wolfgang Lauenstein gespannt sein.
Eine Weltpremiere hat LICHTER vorzuweisen: In »Monowi Nebraska« (läuft außer Konkurrenz) besucht Lilo Mangelsdorff eine Ortschaft im amerikanischen Nirgendwo. Dort befindet sich nur noch eine Bewohnerin mit ihrem Imbiss. Mehrere Deutschland- und Hessenpremieren sind innerhalb und außerhalb des Wettbewerbs angekündigt. Gegen die Vorführung von dem bereits in den Kinos gelaufenen »In My Room« von Ulrich Köhler ist nichts einzuwenden. Erstens handelt es sich hierbei um konsequent andersartiges Kino, und zweitens spricht vieles dafür, den Film noch einmal anzuschauen.
Im internationalen Programm, das unter der Überschrift »Natur« zusammengestellt wurde, kann man Werke über »Vielfalt und Schönheit, die Katastrophen und Gefahren sowie die vielen kleinen Geheimnisse der Natur«, wie es so hübsch in der Vorabinformation heißt, besichtigen und sie in Diskussionsrunden verarbeiten. Eine Entdeckung könnte das fast dreistündige Werk »Nuestro tiempo« von Carlos Reygadas werden. Der Film spielt auf einer mexikanischen Ranch, auf der Kampfstiere gezüchtet werden. Juan, der die Tiere auswählt und aufzieht, ist ein weltbekannter Poet.
In der Sektion »Zukunft Deutscher Film« laufen Filme von aufstrebenden jungen deutschen Filmschaffenden. Begleitend dazu wurde im vergangenen Jahr der Kongress »Zukunft Deutscher Film« initiiert, aus dem die Frankfurter Positionen hervorgegangen sind. In diesem Jahr soll weiter darüber diskutiert werden. Fragt sich, ob davon auch der Deutsche Film besser wird.
Festivalkinos sind die Naxoshalle, das Deutsche Filmmuseum, das Mal Seh‘n Kino, die Harmonie und die Pupille. Das Festivalzentrum wird im Tor Art Space am Allerheiligentor eingerichtet, in dem auch Gesprächsrunden stattfinden werden.
Ein Team aus rund 40 hauptsächlich ehrenamtlich engagierten Filmemachern, Medienexperten und Filmliebhabern richtet das Festival alljährlich aus.

Claus Wecker (Foto: »Nuestro tiempo«)
www.lichter-filmfest.de

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