Zwischenbericht von der 63. Berlinale

Wo sind die großen Filme?

 

Zum Start des Festivals monierte die »Süddeutsche Zeitung«, es fehlten die Weltpremieren im Wettbewerbsprogramm. Vor allem von den amerikanischen Beiträgen findet man schon dutzendweise mehr oder weniger negative Kritiken im Netz. Harald Martenstein hat in seiner täglichen Glosse im »Tagesspiegel« vermutet, es liege wohl am Flughafenkomplex der Berliner. Vermutlich habe das Auswahlkomitee befürchtet, Premierenfilme würden nicht rechtzeitig fertiggestellt.

Apropos Flughafen. Matt Damon sagte in der Pressekonferenz zu »Promised Land«, Berlin verdiene es, einen der Stadt angemessenen Flughafen zu besitzen. Er habe schon Hunderte von Stunden beim Umsteigen in Frankfurt verbracht. So kam Frankfurt auch auf der Berlinale vor.

»Promised Land«, der Film, in dem Damon die Hauptrolle spielt und an dessen Drehbuch er mitgeschrieben hat, ist ein solides Drama über und gegen Fracking, also die Gewinnung von Erdgas aus Schieferböden. Leider kam Geld für die Produktion aus Abu Dhabi, also aus einem Land, das Interesse hat, sein eigenes Erdgas und Erdöl an die USA zu verkaufen. Es fällt auch schwer, dem geld- und karrieregeilen Bohrrechteaufkäufer die Läuterung zu guter Letzt abzukaufen. Aber das liegt wohl daran, dass heutzutage ein Ende à la Frank Capra oder Preton Sturges kaum noch glaubhaft wirkt.

Ein Thema ist die Qualität der Filme. Jetzt, zur Halbzeit der Filmfestspiele, muss man sagen: Es fehlen nicht nur die Uraufführungen, man fragt sich auch, ob sich der Verzicht auf die Erstaufführungsrechte gelohnt hat. Zum Beispiel »Side Effects«, der Film, mit dem sich Steven Soderbergh – wie es heißt – (vorläufig ?) aus dem Filmbusiness zurückziehen will. Er beginnt als Abrechnung mit den Machenschaften der Pharmakonzerne und endet als Mordkomplott. Das Dumme dabei ist nur, dass der Anfang unter dem Ende leidet.

Bei Guillaume Nicloux’ Neuverfilmung von Denis Diderots »Die Nonne« fragt man sich, ob es sinnvoll war, für einen aktuellen Film zur Situation in den Klöstern die klassische Vorlage zu wählen. Alles sehr gediegen, und Isabelle Huperts Versuch, ihrer Figur ein wenig Komik zu verleihen, geht gründlich daneben.

An Prominenz fehlt es nicht. George Clooney tauchte auf, weil er gerade in Berlin dreht. Wenn also die Berlinale mit ihren Filmen derzeit an Bedeutung verliert. Berlin (und Potsdam) erfreut sich noch immer wachsender Beliebtheit als Produktionsort.

Claus Wecker/Rita Kratzenberg

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