Walon & Rosetti

Leckeres im Rotlichtviertel

»Walon & Rosetti«, die Bar von Henry Walon und Radu Rosetti im szenig-quirligen Bahnhofsviertel ist nicht nur im Quartier gerade angesagt.

Eigentlich sollte man als Gastro-Kolumnistin nicht über das eigene »Wohnzimmer« schreiben, sagen meine Freunde. Aber im Frankfurter Rotlichtviertel, genauer in der Moselstraße, haben die beiden Freunde und bekannten Frankfurter Gastronomen Henry Walon (Sugar) und Radu Rosetti (King Ka-Mitbegründer und ehemaliger Inhaber der Havana Bar) eine wirklich originelle Location geschaffen und etabliert, die unbedingt vorgestellt werden sollte.

Warum sind die beiden ins Frankfurter Rotlichtviertel gezogen? »Weil das Quartier eine Renaissance erlebt und internationales Flair wie kein anderer Frankfurter Stadtteil hat«, sagt Radu Rosetti. Den geeigneten Ort für ihr Projekt fanden Walon und Rosetti in einem leer stehenden, ehemaligen türkischen Teehaus. Darüber: die »St. Tropez Bar«.

Im »Walon & Rosetti« ist weniger mehr: Ein langer Bartresen dominiert den Raum, die Wände sind mit Holzpanelen »tapeziert« und in sattem Moosgrün angestrichen. Man sitzt entweder an der Bar in der ersten Reihe oder an massiven Holztischen mit Patina. Hinter der Bar stehen die Spirituosen auf einfachen Holzregalen. Die Mischung macht’s – nicht nur beim gemütlich-modernen Ambiente, sondern auch bei den professionell zubereiteten Cocktails und auf der Speisekarte mit täglich wechselnden Gerichten. Und fragt man bei den immer freundlichen Servicekräften nach, dann gibt’s auch immer noch ein Extra-Tagesangebot aus der Küche.

Auf der Speisekarte finden sich Leckereien wie Wildkräutersalat mit butterzart gegrilltem Pulpo (16,50 Euro), Ceviche vom Heilbutt (18 Euro), Albondegas, spanische Hackfleischklöße in fruchtig-pikantem Tomatensugo (8,50 Euro), Lammkotelett oder Vegetarisches wie gegrillte Auberginen mit Safranjoghurt, Basilikum und Granatapfelkernen (9,50 Euro). Zu allen Gerichten gibt es je nach dem, was Küchenchef Matthias Ries und die Chefs beim Einkauf auf dem Markt gefunden haben, originelle Gemüse- und Salatbeilagen, Saucen, Dips u.v.m. Beim Einkauf wird Wert auf regionale Erzeugnisse gelegt. Die Inhaber und ihr Küchenchef lassen sich aber immer auch von interregionaler und internationaler Küche inspirieren. »Unser Küchenchef war kürzlich in Griechenland. Klar, dass es bald seine eigenen Interpretationen dieser Landesküche bei uns geben wird«, sagt Rosetti und fügt an: »Ich habe gerade Urlaub in Bayern gemacht, auch zu dieser Regionalküche überlege ich mir gerade neue Gerichte für unsere Karte.« Auch Imbiss-Klassiker wie Fish & Chips, natürlich alles hausgemacht, werden serviert. Die Preise sind – in Anbetracht der Frische, der originellen und aufwendigen Zubereitung sowie der beeindruckenden Portionsgröße – sehr fair.

Um 23 Uhr ist Schluss mit Küche, dann wird die Musik etwas lauter gedreht, und die Barkeeper haben Showtime. Seit Dezember vergangenen Jahres treten Oscar Canton und seine Freunde immer dienstags ab 21 Uhr zu einer »Unplugged Session« an. An der Bar mittlerweile zu Klassikern avanciert sind im »Walon & Rosetti« Cocktails wie »Moscow Mule« (Wodka, Ingwer, Gurkenschale und Ginger Beer), »Krakau Tea« (Zitronen,Wodka, Apfelsaft, Kamillentee und frische Minze) oder »Frankfurt Sour« mit Amaretto, frischem Zitronensaft und naturtrübem Apfelsaft. Letzteren Cocktail hat Radu Rosetti bereits als Barkeeper in der Schirn 1992 erfunden. Alle Cocktails kosten um die 8,50 Euro. Schwerpunkt auf der Weinkarte sind deutsche und französische Weine. »Wir wollten unbedingt deutschen Wein in einer Bar promoten, denn auch junge Leute entdecken Weine wie Riesling gerade wieder neu«, so Radu Rosetti. »Franzosen sind einfach die Klassiker. Weine aus Übersee wollen wir hingegen bei uns ausdrücklich nicht anbieten.«

Ingrid Schick
Walon & Rosetti
Moselstrasse 15, 60329 Frankfurt,
Bahnhofsviertel, Tel. 069/25755973
Öffnungszeiten: Mo-Sa 17–2 Uhr
keine Kreditkarten
www.walon-rosetti.com

 

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