Vorsicht Laufrichtung

Dramatische Bühne: Der Prozeß

Was die Katze zur Maus sagt, will der Mann am Eingang wissen. Er ist weißgeschminkt, trägt eine Schachbrettmusterhose und heißt Armin Drogat. Nun? Ändere die Laufrichtung! Sagt die Katze und frißt die Maus auf. Wer Glück hat, dem wird Drogat als Gessner wieder begegnen. Als Getriebener in den Folterkellern der Justizbehörden mit zwölf permanent wechselnden Identitäten.
Kafkas Geschichte mit der Maus ist die Quintessenz seines halbfertigen Romans »Der Prozeß«, den die Dramatische Bühne nun in dem kurz vor dem Abriß stehenden Bau des Kunstvereins Lola Montez und dessen Kellergewölben in eine bizarre Aktions- und Kostümschau umsetzt. Auch Josef K., dem, er weiß nicht warum, der Prozeß gemacht wird, muß sich immer wieder für eine Laufrichtung entscheiden, ohne das Ende beeinflussen zu können.
An der Seite von Franz Kafka (Julian König) alias Josef K. haben auch wir als Geschworene stets die Wahl, ihn, der phasenweise von acht Personen gespielt wird, auf allen Wegen über Folterszenen und Wortgemetzel hinweg zur Hinrichtung zu begleiten. Die Romanfragmente des Originals sind in sprachversierte Spielpuzzle gekleidet, wie sie für die DraBü typisch sind und in einem so Paardialog von Sebastian Huther und Sarah Kortmann gipfeln, den man sich gerne noch mal auf You-Tube anschauen würde. Bei insgesamt 19 Darstellern gebührt auch den sich spielerisch und sprachlich nahtlos einreihenden Laien, den »Kindern des Olymp«, ein starker Hinweis.

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 Termine: 1.,3.,8.-10.,15.-17., 22.-24. Juni , Fr, Sa 20 Uhr, So 19 Uhr

 

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