Unterwegs mit Mum (Start: 18.4.2013)

Unterwegs mit Mum (Start: 18.4.2013)Mamas Liebling

»Unterwegs mit Mum« von Anne Fletcher

 

Von »König Ödipus« bis »Psycho«: die Beziehung zwischen Müttern und Söhnen ist manchmal recht ungesund. In der Komödie »Unterwegs mit Mum« treten mit Komiker Seth Rogen als Sohn und der mittlerweile 70-jährigen Diva Barbra Streisand als Mutter zwei schauspielerische Schwergewichte in den Ring des familiären Schlagabtauschs.

Regisseurin Anne Fletcher (»Selbst ist die Braut«) sperrt sie in einen Kleinwagen, in dem das Duo in acht Tagen von Ost nach West die USA durchquert. Als Rahmenhandlung dient der Versuch von Chemiker Andy, seinen selbst entwickelten Öko-Reiniger bei Herstellern zu vermarkten. Nachdem ihm Mutter Joyce bei einer Stippvisite in New York erstmals von ihrer großen, gescheiterten Jugendliebe erzählt hat, macht er den Namen des Mannes in San Francisco ausfindig. Kurzerhand lädt er Mama auf seinen Geschäftstrip ein – mit dem heimlichen Plan, sie in San Francisco mit ihren Verflossenen zu verkuppeln.

Das Mutter-Sohn-Ding, das grobe Scherze geradezu herausfordert, wird erstaunlich zartfühlend ins Bild gesetzt. Nie verrät das eher ereignislose Roadmovie die beiden Stars an billige Witze oder krachledernen Slapstick. Zwar sind die Macken von Joyce, der Schnäppchenjägerin, die nachts knirschend Schokonüsse kaut, recht lustig. Und im Grunde zielt die Komödie auf das Klischee der überbehütenden »jiddischen Mamme« ab. Doch wenn das Duo mit nur einem Hauch Übertreibung den beziehungstechnischen »double bind« mit Leben füllt, wirkt das oft schrecklich authentisch.

Barbra Streisand spielt eine Witwe, die gut im Strumpf steht und sich ihr Dasein zwischen Freundinnen und Bücherclub recht kommod eingerichtet hat. Doch kaum hat sie im Auto neben ihrem Sohnemann Platz genommen, verfällt sie schon in den Modus einer Glucke, die nicht akzeptieren kann, dass ihr Sohn ein eigenständiger Mensch ist – und in den einer unausgefüllten Gattin, die permanent Zuwendung und Bestätigung braucht. Man krümmt sich innerlich, wenn sie nach Mutterart in die Hand spuckt, um Andy vor Geschäftstreffen ordnend übers Haar zu streichen. Man kriegt mit ihm die Krise, wenn sie gekränkt ist über seine barsche Zurückweisung. Und wenn sie dann noch sein Missgeschick mit Frauen zu analysieren versucht.

Zwischen übergriffig und bedürftig demonstriert Streisand gekonnt das Feintuning widersprüchlicher Gefühle, obwohl ihre Mimik durch das Lifting etwas eingeschränkt ist. Und in all dem Geplapper, den Ermahnungen und Nörgeleien, untermalt von der Stimme eines erotischen Hörbuchs, das Joyce auf der Fahrt unbedingt hören wollte, tauchen tatsächlich scharfsinnige Bemerkungen auf. Denn Andy ist ein nerdiger Typ, dem die praktische Intelligenz seiner Mutter helfen könnte, würde er nicht al-lergisch auf ihre Einmischung reagieren.

Seth Rogen dient jedoch vor allem als Projektionsfläche und auch als Punchingball, unentrinnbar gefangen zwischen komischer Genervtheit und dem Schuldgefühl über seine heimliche Wut (denn ist er nicht das ganze Glück seiner Mutter?). Es ist zum Verzweifeln!

Wie immer bietet das Leben Entlastung, und dabei verliert sich die Komödie doch ein wenig im Formelhaften. Und wenn Muttern beim Abschied ihrem wieder versöhnten Sohn ein gänzlich unironisches »Du bist die Liebe meines Lebens« verpasst, dann rollen sich einem zum Ausklang noch mal kurz die Fußnägel hoch.

Birgit Roschy

 

UNTERWEGS MIT MUM (The Guilt Trip)
von Anne Fletcher, USA 2013, 95 Min., mit Barbra Streisand, Seth Rogen, Kathy Najimy, Colin Hanks, Adam Scott
Roadmovie
Start: 18.04.2013

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