No Turning Back (Start: 19.6.2014)

No Turning Back (Start: 19.6.2014)Besser als der Vater

»No Turning Back« von Steven Knight

Ein einziger Ort in Echtzeit (mehr oder weniger) – Alfred Hitchcock hat von einem Film geträumt, der ausnahmslos in einer Telefonzelle spielt, Steven Knight hat jetzt etwas Vergleichbares realisiert. In »No Turning Back«, Originaltitel »Locke«, ist der Schauplatz nicht eine Telefonzelle, sondern ein BMW, der nach London fährt.

Der Name Hitchcock fällt nicht von ungefähr, denn Knight, der bisher vor allem als Drehbuchautor von Cronenbergs »Tödliche Versprechen« und Frears’ »Kleine schmutzige Tricks« (hierzulande leider nicht im Kino) in Erscheinung getreten ist, braucht den Vergleich nicht zu scheuen. Sein Film wird, je länger die Autofahrt dauert, immer spannender. Zunächst gibt das Verhalten des Fahrers Rätsel auf. Ein wichtiges Fußballspiel steht an, zuhause, bei Ehefrau und den beiden Söhnen, wird er sehnlichst vor dem Fernseher erwartet. Doch Ivan Locke wird nicht kommen, er wird auch nicht die Anlieferung von 218 Betonmischern am nächsten Morgen beaufsichtigen, was sein Job wäre. Locke ist nämlich Vorarbeiter auf einer Großbaustelle, die man zu Anfang des Films sieht. Nur er scheint die nötige Erfahrung und das Vertrauen seiner Baufirma zu besitzen. Denn der Zement muss so eingebracht werden, dass das Fundament des Hochhauses der künftigen Belastung standhalten wird.
Sein Mobiltelefon steht nicht still. Zunächst erklärt er allen, die auf ihn warten, dass er nicht kommen wird, dazwischen telefoniert er aber mit der Frau, zu der er fährt. Sie liegt in einem Londoner Krankenhaus, kurz vor der Entbindung. Locke ist der Vater des Kindes, das da auf die Welt drängt. Eine Frühgeburt, weshalb Lockes Ehefrau erst in letzter Minute am Telefon vom Fehltritt ihres Mannes erfährt.
Locke ist also mit mehreren Problemen gleichzeitig beschäftigt: er muss die hochschwangere ›one night stand‹-Partnerin beruhigen, die ihn unbedingt bei der Geburt dabei haben will und ständig eine Liebeserklärung von ihm verlangt, er muss seine Ehefrau um Vergebung bitten, die mit der Scheidung droht, sowie seinen Chef besänftigen, der ihm den sofortigen Rauswurf ankündigt, und will trotz der Kündigung seinen Assistenten dirigieren, damit die Zementanlieferung klappt und er seine Pflicht erfüllt.
Es geht um Pflichterfüllung. Locke sieht es als die erste und vorrangige Pflicht an, sich um seinen Nachwuchs zu kümmern. Er will seinem Vater, der sich nicht um ihn gekümmert hat, zeigen, dass er es besser macht. Mag es ein Fehltritt gewesen sein, Locke steht dazu und zu der Frau, die angeblich keine Freundinnen, Freunde oder Verwandte hat. Das mag konstruiert klingen, man kann auch zwischendurch den Gedanken bekommen, dass Kinderkriegen vor nicht allzu langer Zeit reine Frauensache war – dennoch ist der Film ungeheuer spannend. Wenn einen bisweilen das Getute des Telefons  ähnlich nervt wie den grandios von Tom Hardy gespielten Locke, so ist dies nur ein Beweis dafür, wie stark man sich mit Locke identifiziert. Das Fundament des Films steht felsenfest; dessen Konstruktion kann schon begeistern.

Claus Wecker

NO TURNING BACK (Locke)
von Steven Knight, GB/USA 2013, 85 Min.
mit Tom Hardy
Thriller
Start: 19.06.2014


Strandgut-Preview:

Wir verlosen 20 x 2 Freikarten für die Preview am Freitag, 13. Juni, um 21.15 Uhr in Orfeos Erben in der Hamburger Allee 45. Es läuft die Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Rufen Sie uns am Do., 12.6., um 10 Uhr unter der Tel.Nr. 069/97 07 41 99 an. Restkarten werden an der Kinokasse verkauft.

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