Theaterperipherie: »Der KEINE Prinz« trifft Schiller, Albee und Schneider

Marquis wird Rosenverkäufer

Haste mal ‘n L? Die meisten werden den Buchstaben wohl mitlesen im ersten Anlauf, mit dem der Titel so vertraut klingt. Aber wir sind ja nicht in der Sesam-, sondern in der Basaltstraße in Bockenheim. Weshalb man sich gar nicht mehr so sicher ist, ob »Der KEINE Prinz«, das neue Stück der Theaterperipherie, überhaupt etwas mit dem Geschöpf von Antoine de Saint-Exupery zu tun hat.
Hat es aber doch, wie Hadi Khanjanpour verrät, der die Idee dazu hatte und Regie führt, die Bühne dieses Mal aber ganz den Schauspielern Jochen Döring und Moe Salamat überlässt. Das in Kapitalen großgeschriebene »keine« resultiere daraus, dass der Prinz am Ende seines Ausflugs zur Erde kein Prinz mehr sein wolle. Die Einsichten, die der wohl berühmteste Buchheld mit Migrationshintergrund während seiner Erdenvisitegewann, sollen ein Scharnier, ein Bindeglied eines mehrteiligen Arrangements werden, bei dem es um Diskriminierung und Zuschreibungen gehe, die Fremde von Einheimischen und Einheimische von Fremden oder Nicht-Weiße von Weißen und Weiße von Nicht-Weißen erführen
Mit Auszügen aus Friedrich Schillers »Don Carlos«, Robert Schreibers »Dreck« und Edward Albees skurriler »Zoogeschichte« loten die beiden Schauspieler die Gräben und Gegensätze zwischen den vermeintlichen Antipoden aus. Dabei werde sich zeigen, welchen Unterschied es mache, ob der an den spanischen Regenten gerichtete Ruf nach »Gedankenfreiheit«, den der Marquis de Posa im Don erhebe, vom Döring oder von Salamat gesprochen werde. In Schneiders Monolog aus dem Jahr 1993 macht sich ein so genannter illegaler irakischer Rosenverkäufer alle Vorurteile gegen sich hochgeflissentlich zu eigen, um seine angestauten Aggressionen auf der berühmten Bank in Edvard Albees surrealem Meisterdrama (das auch bei Willy Praml auf dem Spielplan steht) im wörtlichen Sinne auszuleben.
Dabei wird wohl auch der Zuschauer nicht geschont: Weil der Rassismus und seine Sprache heute so roh und so tumb geworden seien, werde man jetzt sehr viel direkter werden, kündigt Khanjanpour an.

gt (Foto: Seweryn Zelazny)
Termine: 23., 25. März, jeweils 19.30 Uhr
www.theaterperipherie.de

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