Theaterhaus zeigt das Phantasiespiel »Unterm Kindergarten« (ab 3 Jahren)

Vom Werden und Vergehen

Der lange Michael Meyer steht da, als gelte es einen Wolkenkratzer zu mimen. Seine Arme hat er hochgereckt, ganz oben berühren sich seine Fingerspitzen. Günther Henne dagegen streckt sich drei Meter von ihm entfernt auf dem Spielparkett des Theaterhauses, als wolle er schlafen. Die beiden bewegen sich nicht, während die Kinder – drei bis sechs Jahre alt – sich ein wenig wundernd um sie herum niederlassen.
Sind ja auch längst tot, die zwei, erfahren wir bald, denn Michael Meyer ist eine Giraffe aus längst vergangenen Zeiten, und Günther Henne ein genauso alter verstorbener Wal. Eigentlich muss man sie sich als Skelette vorstellen, denn sie gehören zu all dem, was tief im Boden vergraben unter dem Kindergarten liegt.
»Unterm Kindergarten« heißt denn auch das erstaunliche Kindertheaterstück von Erik Fauke. Der norwegische Autor macht seine jungen Leser und Lauscher mit Vergänglichkeit und mit der Vergangenheit vertraut und erzählt eine Geschichte, wie sie vielleicht trauriger noch nie erzählt worden ist. Denn sie handelt von einem Vogelkind, das sich zum allerersten Mal aus dem Nest in die Lüfte erhob und vom Wind tragen ließ und auf diesem tollen, tollen »laaangen Ausflug gegen eine Fensterscheibe prallte, den Schnabel brach, zu Boden fiel und starb«. Es war eine Fensterscheibe des Hauses, das schon damals ein Kindergarten war. Und als die Kinder das tote Vogelkind fanden und beerdigten, da war eines unter ihnen, das sich in diesem Augenblick vornahm, ein Architekt zu werden und Häuser zu bauen, an denen sich nie wieder ein Vogel das Genick brechen wird.
Das tote Vogelkind  aber wird unter der Erde mit vielen anderen Sachen bekannt. Da gibt es zwar ziemlich viel Schrott, Schrauben, Nägel. Scherben, aber auch tote Bäume, die Knochen von toten Mäusen und anderen Tieren bis hin zu den Skeletten von Giraffen und Walen. Und  jedes von ihnen hat eine spannende Geschichte.
Rund um ihre Erzählungen spannen die beiden Darsteller ihr junges Publikum  ein und lassen sich sagen,  was so alles zu einem Kindergarten gehört. Ach mehr, sie lassen es sich von ihnen sogar an die Wand malen. Auch, was man unter der Erde alles zu finden kriegt, wenn man buddelt, wissen die Kinder und bilden das mit Papierservietten nach, die von Günther Henne ausgelegt werden. Das was herauskommt ist so unterirdisch, wie es auch großartig ist: das Skelett eines dicken runden Wals.

gt (Foto: © Katrin Schander)
Termine: 25., 26 und 27. Oktober, jeweils 10 Uhr
www.theaterhaus-frankfurt.de

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