»The Founder« von John Lee Hancock

Wie ein Weltkonzern entstanden ist

Was war zuerst da? Die Henne oder das Ei? Anhand dieser Frage erklärt Ray Kroc den Unterschied zwischen angebots- und nachfrageorientierter Wirtschaftspolitik. Ray ist ein Anhänger der angebotsorientierten Variante, unter fehlender Nachfrage leidet er nämlich gerade. Seinen hocheffizienten Milkshake-Rührer will in den 50er Jahren kaum ein Restaurantbetreiber kaufen, auch wenn dessen Gäste lange auf die bestellten Getränke warten müssen.

Michael Keaton spielt in dieser wahren Geschichte den erfolglosen Außendienstvertreter Ray mit nicht nachlassender Energie. Ein unbedingter Aufsteiger, der auf seine Chance lauert, dabei aber ahnen lässt, dass auch weniger Sympathisches in ihm stecken könnte. Man erinnert sich an Keaton als perfiden Mietnomaden in John Schlesingers »Pacific Heights – Fremde Schatten« oder in Alejandro Iñárritus »Birdman« als ehemals erfolgreicher Schauspieler, der eine letzte Chance bekommt. Beides Rollen, in denen hinter seinem Milchbubi-Gesicht eine dunkle Energie zum Vorschein kommt.
Es empfiehlt sich, dies im Hinterkopf zu behalten, wenn er als Ray Kroc den sympathischen Geschäftsmann gibt, der nur Gutes für seine Kunden und seine Partner im Sinn zu haben scheint. Keaton trägt neben der wunderbaren Ausstattung, die vor unseren Augen die 50er Jahre mit ihren optimistischen Familien, den dazugehörigen Autos und den Schnellrestaurants wieder aufleben lässt, den Hauptanteil am Gelingen von John Lee Hancocks »The Founder« bei – der Titel ist durchaus ironisch zu verstehen.
Als Ray eine telefonische Großbestellung aus Kalifornien erhält, fährt er zu dem neuen Kunden und findet tatsächlich ein florierendes Diner vor. Die Brüder Dick und Mac McDonald, dargestellt von Nick Offerman und John Carroll Lynch, haben ein System ausgetüftelt, mit dem sie Hamburger arbeitsteilig herstellen lassen wie die Ford Company ihre Autos am Fließband. Hinzu kommt die bekannte Darreichungsform, die Geschirrspülen überflüssig macht, und absolute Sauberkeit (in der Realität heutzutage nicht immer erreicht).
Die Brüder erläutern Ray ganz offenherzig ihr Geschäftsmodell, und der wittert seine große Chance. Landesweit sollte sich das McDonalds-Modell ausbreiten, von der West- bis zur Ostküste, »from coast to coast«. In einem gut kontrollierten Franchise-System, denn an mangelnder Sauberkeit und schlecht gebratenen Frikadellen sind schon einige Filialversuche der Brüder McDonalds gescheitert.
Und Ray beginnt, mit einem Vertrag ausgestattet, den er später brechen wird, sein großes Aufbauwerk. Er setzt sich über Bedenken der zögerlichen Brüder hinweg, die es beispielsweise ablehnen, Milch durch Milchpulver zu ersetzen, um Kühlkosten einzusparen. Er optimiert und rationalisiert, was das Zeug hält und wird aus Profitgründen zu einem der größten Immobilienbesitzer der USA. Die Ehefrau, die sich ein ruhiges Leben wünscht, bleibt zurück und befreundete Ehepaare, die sich behaglich im Erreichten eingerichtet haben. An deren Stelle macht Ray mit untrüglichem Instinkt ehrgeizige Menschen zu seinen Mitkämpfern. Seine Erfolgsgeschichte erinnert an manchen Start-up, der auch nicht von dem Masterhirn, sondern von einem überragenden Organisator und Businesstalent zum Weltkonzern geführt wurde. Dabei ging es eben auch nicht immer fair zu. Im Fall von McDonalds distanziert sich der gleichnamige Konzern von dem entlarvenden Film.

Claus Wecker

THE FOUNDER
von John Lee Hancock, USA 2016, 115 Min.
mit Michael Keaton, Laura Dern, Nick Offerman, iJohn Carroll Lynch, Linda Cardellini, B.J. Novak
Drama
Start: 20.04.2017

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