The Bling Ring (Start: 15.8.2013)

The Bling Ring (Start: 15.8.2013)Kleider-Klau bei Promis

»The Bling Ring« von Sofia Coppola

Von Oktober 2008 bis August 2009 wurden die Villen von Hollywoodstars in Los Angeles von einer Serie von Einbrüchen heimgesucht. Die Räuberbande entpuppte sich als Mädchenclique, und die Klau-Kids stammten nicht aus armem Milieu, sondern aus wohlhabenden Vierteln. Ein Fall für Regisseurin Sofia Coppola.

Der »Bling Ring« hatte es auf Designerkleidung, Schmuck, Uhren und andere »musts« jener Glamour-Szene abgesehen, der die Girlies unbedingt angehören wollten. Und es wäre ein Leichtes gewesen, die Einbrecherinnen als hohlköpfige Modepüppchen oder geltungssüchtige Biester abzustempeln oder sich küchenpsychologischen Interpretationen rund um dysfunktionale Familien hinzugeben. Oder eine moralisierende Anklage gegen Hollywoods »Celebrity«-Kultur zu drehen, deren übers Internet und in Hochglanzmagazinen propagierter Lifestyle-Glamour unschuldige Kinder zum Diebstahl verführt. Regisseurin Sofia Coppola, die sich in ihren Filmen, angefangen bei den »Virgin Suicides« bis »Somewhere«, stets aufs Neue über die Psyche pubertierender Mädchen beugt, streift zwar auch diese Aspekte. Vor allem aber betrachtet sie die zarten Bräute aus jener Anteil nehmenden und zugleich distanzierten Perspektive, die den Charakteren ihre Würde und einen Rest Geheimnis lässt.

Der Auftakt ist die Ankunft des unscheinbaren Teenagers Mark in seiner neuen Highschool, die eher eine Loser-Restschule ist. Der unsichere Junge wird von der hübschen Rebecca aufgegabelt, die, als sie erfährt, dass sein Vater im Filmbusiness arbeitet, wie elektrisiert ist. Dank Marks Insiderkenntnissen brechen Rebecca und ihre Freundinnen in Promi-Villen ein. Da der Schlüssel fast immer unter der Matte liegt, haben sie‘s nicht schwer. Statt mit Kreditkarte in der Boutique »shoppen« die Girlies in den Kleiderschränken der Promis. Und auch hier bekommen sie am Ende die Rechnung präsentiert.

Ihr Idol ist Paris Hilton, die berühmt ist, weil sie berühmt ist. Und das Allerheiligste der Mädchen – Mark agiert meist nur als warnender Helfer – ist Hiltons Villa. Prompt stellte das It-Girl, reales Opfer der Bande und zugleich geniale Selbstdarstellerin, für den Dreh ihr Haus zur Verfügung. Und wenn die Mädchen in riesigen begehbaren Schränken mit verzückten Mienen, andachtsvoll die Namen von Designern hauchend, an Kleiderbügeln entlang und durch Schubladen fingern, sind sie ganz in ihrem Element.

Männliche Filmbesucher werden sich angesichts dieser permanenten konsumistischen Rauschzustände, die in langen, ungeschnittenen Einstellungen ausgekostet werden, so langweilen wie beim Begleiten ihrer Partnerin beim Kleiderkauf. Doch gerade in der Wiederholung liegt die Pointe. Es geht ja nicht nur um die Verführungen des schönen Scheins, sondern um ein infantiles »Haben wollen«, das ständigen Nachschub an Krusch erfordert. Denn das Hochgefühl, dass die Welt in Ordnung ist, sobald man jene Stöckel von Loubotin oder jenen protzigen Modeschmuck besitzt, den Lindsay Lohan kürzlich spazieren getragen hat, hält nur kurz an. Sei es archaische Sammlerinnenwut, oder narzisstische Ersatzbefriedigung und der Wunsch, eine Prinzessin zu sein: jenseits platter Konsumkritik zeigt Coppola, das sich hier ein mächtiger Trieb austobt.

Nicht zuletzt ist ihr feinnerviges Teeniedrama eine Plattform für Emma Watson. Als Gör mit dem schönsten falschen Lächeln, das wie auf Knopfdruck feuchte Rehaugen generiert, lässt die Britin ihre blaustrümpfige Streberinnen-Rolle aus »Harry Potter« ganz weit hinter sich.

Birgit Roschy

 

THE BLING RING
von Sofia Coppola, USA/GB/F/D 2013, 90 Min., mit Katie Chang, Israel Broussard, Emma Watson, Claire Julien, Taissa Farmiga, Meslie Mann
Drama
Start: 15.08.2013
STRANDGUT PREVIEW
Wir verlosen 10 x 2 Freikarten für die Preview am Mi., dem 14. August, um 20.30 Uhr in der Harmonie am Lokalbahnhof. Rufen Sie uns am 13.8. ab 10 Uhr unter 069/97 07 41 99 an. Wer bei dieser Aktion leer ausgeht, kann ein Ticket an der Kasse erwerben.

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