»Take This Waltz« (Start: 7.3.2013)

Take this Waltz (Start: 7.3.2013)Im Zwischenraum

»Take This Waltz« von Sarah Polley

 

Eine Frau zwischen zwei Männern. Mit dem einen ist sie verheiratet, den anderen lernt sie fern des ehelichen Heims kennen. Der eine glaubt, dass alles gesagt ist in ihrer Beziehung (und macht damit den männlichen Kardinalfehler), der andere ist aufregend neu, verführerisch, mit einer Menge Phantasie ausgestattet. Kurzum: er ist überaus reizvoll.

Eigentlich geht es Margot (Michelle Williams) sehr gut. Sie hat einen liebevollen Ehemann, der zudem gut kochen kann. Lou (Seth Rogen) arbeitet an einem Kochbuch für Hähnchengerichte. Die beiden verstehen sich, nehmen sich aber nicht immer richtig ernst. In ihrer Ehe herrscht ein infantiler Ton. Häufig treiben sie ihren Spaß mit skurrilen Liebesbezeugungen aus der Horrorschublade. Etwa: Ich liebe dich so sehr, dass ich dir mit dem Kartoffelschäler die Haut abziehen könnte. Das ist zwar recht witzig, ersetzt aber nicht ein ernsthaftes Gespräch, das in einer Beziehung bisweilen ansteht.

Solch einen auch emotionalen Austausch vermisst Margot, das ängstliche Wesen. Sie hat, so stellt sie es jedenfalls ihrem neuen Bekannten Daniel (Luke Kirby) dar, Angst vor der Angst. Das klingt etwas überkandidelt – und ist es auch.

Beispielsweise lässt sich Margot beim Umsteigen im Flughafen vom Behinderten-Service mit einem Rollstuhl fahren. Nur nicht den Flug verpassen und dann in einem Zwischenraum stecken bleiben. Aber genau dahin manövriert sie sich, indem sie Daniels charmantem Drängen immer mehr nachgibt und andererseits ihren sympathischen Mann nicht verlassen möchte.

»Take This Waltz« sei ein Film über das Erwachsenwerden einer Frau in den späten Zwanzigern, schreibt die Regisseurin Sarah Polley, die auch das Drehbuch verfasst hat. Wie in ihrem Erstling »An ihrer Seite«, der Schilderung einer Alzheimer-Erkrankung, beleuchtet sie das Thema ihres Films von vielen Seiten und scheut auch nicht vor allzu deutlichen Verweisen zurück. Wenn Margot gleich zu Beginn Zeugin einer kirchlichen Trauung wird und kurz darauf die touristische Vorstellung einer mittelalterlichen Bestrafungsaktion verfolgt, bei der sie selbst den mutmaßlichen Ehebrecher geißeln darf, sind Ehe und Ehebruch exemplarisch vorgeführt.

Der Film lebt von den erstklassigen Darstellern, vor allem von der aus »Blue Valentine« bekannten Michelle Williams, und er trifft einen Nerv in unserer Welt der unbegrenzten Angebote. Es ist die Frage nach der Beständigkeit von Beziehungen. Der Film moralisiert nicht, er belässt es bei Nützlichkeitserwägungen: Lohnt es sich, eine intakte Beziehung aufs Spiel zu setzen? Vermutlich ist gerade das auf große Sympathie bei den Kritikern gestoßen. Doch der spielerische Umgang mit Moralvorstellungen machte die klassischen Ehekomödien, in denen es ja äußerst selten zum Ehebruch kam, so amüsant. Etwas mehr Esprit im langwierigen Entscheidungsprozess hätte »Take This Waltz« sicherlich gutgetan.

Claus Wecker
TAKE THIS WALTZ
von Sarah Polley, CAN/E/Jap 2011, 116 Min., mit Michelle Williams, Seth Rogen, Luke Kirby, Sarah Silverman
Komödie

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