Staubsaugertornados

Frankfurter Kunstverein:  Vereinzelt Schauer – Formen von Wetter Frankfurter Kunstverein: Vereinzelt Schauer – Formen von Wetter

Das Wetter ist höhere Gewalt. Nur unter bestimmten Umständen kann der Mensch es beeinflussen. Eiskristalle mit denen die Wolken geimpft werden, bestehen meist aus tiefgekühltem Kohlendioxid oder Silberjodid, wenn Hagel droht. In manchen Ländern wird für »das Abregnen« viel Geld bezahlt. Das ist wahrscheinlich billiger als ganze Ernten vernichtet zu sehen.
Der Frankfurter Kunstverein versammelt in der Ausstellung »Vereinzelt Schauer – Formen von Wetter« Künstler, in deren Arbeiten die Auseinandersetzung mit Erscheinungsformen des Wetters einen zentralen Raum einnimmt.
Das Interesse der Künstler am Wetter diente in der Landschaftsmalerei dazu, Szenen dramatisch zu gestalten. Der Film »Regen« (1929), der zu den bekanntesten Arbeiten des Dokumentarfilmers Joris Ivens gehört, erzählt kleine Regen-Episoden aus Amsterdam, die von zeitgenössische Kritikern als »ciné poème« bezeichnet wurden. Alfred Stieglitz fotografierte Wolken als Spiegel der Gefühle. Walter de Maria zog in seinem »Lightning Field« (1977) Blitze an, die Bildhauerin Alice Aycock und die Videokünstlerin Joan Jonas arbeiteten mit den Auswirkungen des Windes auf Skulptur und Körper (»Sand/Fans« 1971; »Wind«, 1968).
Im Frankfurter Kunstverein vertreten ist zum Beispiel Klaus Weber mit »Basteltornado«, einer Plastik mit einem Ultraschallnebler und einem blauen Haushaltsstaubsauger, die für wenige Sekunden einen kleinen, aber lautstarken Tornado in einer Holzkiste erzeugen.
Die Brasilianerin Rivane Neuenschwander arbeitet mit Regentropfen, »Chove Chuva / Rain Rains« (2002) ist eine Installation, bei der im ganzen Raum Wassereimer an Stahlkabeln von der Decke hängen. Durch ein Loch im Boden tropft Wasser in darunter gestellte Eimer, kaum hörbar. Die Deckeneimer werden regelmäßig per Hand nachgefüllt.
Flo Maak kombiniert das Wandbild eines Tornados mit der Fotografie einer Weltkarte, die im Brüssler Musée Royal de l’Armée et d’ Histoire Militaire so angebracht ist, dass der Betrachter zugleich durch die verglaste Deckenstruktur aus dem 19. Jahrhundert in den Himmel, auf das Wetter und auf die Weltkarte schaut. Vor dem Wandbild hängt ein Raumteiler aus Duschwänden, in denen Wassertropfen als Dekorationselement integriert sind. Die Fotografie daneben markiert einen historischen Hintergrund, das militärische Dominanzstreben des 19.Jahrhunderts (Musée Royal de l’ Armèe 2010).
Interessant ist auch eine Installation von Stefania Bateva, die auf zwei Monitoren Aufzeichnungen von Hurrikanen zeigt. Palmen, peitschende Regenböen und abgeknickte Strommasten werden durch ein Tonbandgerät in der Mitte verbunden. Wenn das Tonbandgerät »His Master’s Voice« umspringt, bläst auch der gefilmte Wind aus einer anderen Richtung.
Für die weiteren Arbeiten muss man Zeit und ein spezielles Kunst-Interesse am Thema mitbringen, denn die Künstler fragen mit ihren Konstruktionen und Recherchen unter anderem nach der Beherrschbarkeit von Natur.

sp

Vereinzelt Schauer – Formen von Wetter8. März – 19. Mai 2013Frankfurter Kunstverein Steinernes Haus am RömerbergMarkt 44, 60311 Frankfurt am Main

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