Spielzeit 2013/2014 an den Schauspielhäusern

Außenansicht Oper Frankfurt (Foto: Wolfgang Runkel)

Blick nach vorn im Zorn

Spielzeit 2013/2014 an den Schauspielhäusern in Frankfurt, Darmstadt, Wiesbaden, Mainz

Die Frankfurter Oper wird international gefeiert, das Schauspiel begeistert mit der Produktion von Medea beim Theatertreffen und per Open-Air-Übertragung in Berlin. Diese Anerkennung sollte der »Hauptstadt des Verbrechens« eigentlich viel wert sein. Aus Gründen des Image, in der Tourismuswerbung, als attraktives Bürgerangebot und damit Standortvorteil für Firmen und ihre Mitarbeiter. Verfolgt man die Spardebatten, dann bemüht sich die Politik, die Basis der offensichtlich unbequemen Erfolge zu zerschlagen. Das ist ihnen in Frankfurt (Stichwort William Forsythe) schon einmal gelungen, die Stadt hat kein Ballett mehr seither.

Blick nach vorn im Zorn. Das dürfte die Grundstimmung vor der Spielzeit 2013/2014 sein. Auch in Darmstadt, Wiesbaden und Mainz, das mit dem Motto »Pure Vernunft darf niemals walten« der Politik die Meinung geigt. Gemeinsam ist den drei Städten, dass sie jeweils die letzten Spielzeit ihrer Intendanten John Dew (Darmstadt), Matthias Fontheim (Mainz) und Manfred Beilharz (Wiesbaden) begehen. Im Folgenden ein paar Highlights.

 

Das Schauspiel Frankfurt:

Intendant Oliver Reese hat sich zwar als hervorragender Marketing-Mann profiliert, mit den Aufträgen an Autoren aber nicht immer Glück. Sein jüngster an Lothar Kittstein, ein Stück über die NSU entlang des laufenden Prozesses zu schreiben, beschert dem Schauspiel schon heute bundesweite Aufmerksamkeit – und stimmt nicht nur deswegen skeptisch. »Der weiße Wolf« handle von »verachtenswerten Antihelden«, so der Autor von »Die Bürgschaft« sowie »Remake::Rosemarie« und »Je t’aime«. Die Regie führt Christoph Mehler, zuletzt glücklos mit »Kasimir und Karoline«.

Der Thalheim der neuen Saison wird Kleists »Penthesilea« im Frühjahr 2014, gesetzt in der Titelrolle ist Konstanze Becker. Ein anderer Regie-Star, Karin Henkel, in Frankfurt noch nicht recht angekommen (»Drei Schwestern«, »Die Wildente«), versucht sich mit Lars van Triers »Dogville«. Eröffnen wird Hebbels »Die Nibelungen« (13. September). Jorinde Dröse, mit Lessings »Minna« gut dabei, führt Regie. Im November bringt Stephan Kimmig Dostojewskis »Der Idiot« mit Nico Holonicz auf die Breter.

 

Staatstheater Darmstadt:

In Darmstadt kann es in einem Büchner-Jahr nur um das Wie gehen. Und das fällt nicht nur an der Oper (Alban Bergs »Wozzeck«) spektakulär aus. Vier Tage vor dem 200. Geburtstag (17. 10.) des Dichters spielt das Haus die drei Theaterstücke des Meisters in der Regie von Malte Kreuzfeld en suite. Neben dem Musical »Timm Thaler« (ab 16. November) aus der Komponistenfeder von Xavier Naidoo fällt der Bob-Dylan-Abend »The Times They Are A-Changin‘«auf.

 

Hesssisches Staatstheater Wiesbaden:

Der Ex-Hausautor des Schauspiel Frankfurt, Nis Momme Stockmann, arbeitet in »Tod und Wiederauferstehung meiner Eltern in mir selbst« sein Zeit vis-a-vis der Bankentürme auf. Tilman Gersch wagt das bereits in Hannover aufgeführte Stück, das dort fünf Stunden dauerte. Autor John van Düffel arbeitet für Wiesbaden in »Welttkrieg für alle« deutsche Vergangenheit auf, Tobias Materna inszeniert. Gespannt darf man sein, wie Caroline Stolz Peter Hacks »Amphitryon« und Konstanze Lauterbach Arthur Millers »Hexenjagd« inszenieren.

 

Staatstheater Mainz:

Die Schauspielbühne wartet mit reichlich Modern-Klassischem auf: Horvaths »Glaube, Liebe, Hoffnung« (Alia Luque) und Tschechows »Kirschgarten« (Sabine auf der Heyden) lassen besondere junge Regiehandschriften erwarten. Philipp Gloger, zuletzt an der Oper Frankfurt mit »Idomeneo« zugange, hat sich Peter Handkes »Kaspar« vorgeknöpft. Schon mal was von Daniel Casper von Lohenstein gehört? Dem deutschen Shakespeare? Sein Drama »Ibrahim Bassa« wird von Johannes Schmitt inszeniert.

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