»Southpaw« ab 20.8.2015 im Kino!

SOUTHPAWKampftechnik für den Wiederaufstieg

»Southpaw« von Antoine Fuqua

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Vor knapp einem Jahr war Jake Gyllenhaal in »Nightcrawler« als spindeldürrer Arbeitsloser, der sich zum skrupellosen TV-Journalisten hocharbeitet, zu sehen. Wie ein hungriger Schakal trabte er durch die Nächte von Los Angelas immer auf der Suche nach den grausamsten Nachrichtenbildern. Nun steht er in Antoine Fuquas »Southpaw« als Preisboxer im Ring, und man erkennt seinen Körper kaum wieder.

Es ist ein durch hartes Training geschundener, fast schon deformierter Leib. Gyllenhaals Billy Hope ist ein Boxer, der im Ring immer aufs Ganze geht. Mit jedem Schlag, den er einsteckt wächst in ihm die Wut, die er braucht, um den Gegner in einer finalen Attacke k.o. zu schlagen. So hat Billy einen Titel nach dem anderen errungen, und so kann es nicht weitergehen – meint seine Frau Maureen (Rachel McAdams), die ihm immer sagt, wo es lang geht. Wenn er sie und ihre gemeinsam Tochter Leila (Oona Laurence) noch weiter unversehrt durchs Leben begleiten will, muss Billy eine Auszeit einlegen. Sein langjähriger Manager Jordan (Curtis »50 Cent« Jackson) ist da anderer Ansicht. Schließlich hat er gerade einen millionenschweren TV-Vertrag zur Unterschrift im Aktenkoffer. Aber bevor eine Entscheidung getroffen werden kann, kommt es zur Tragödie: In einem Handgemenge löst sich ein Schuss, der Maureen tödlich trifft. Billys Versuch den Tod seiner Frau zu rächen, endet mit der Sperrung der Boxerlizenz, einer Bewährungsstrafe, dem finanziellen Ruin und dem Sorgerechtsentzug für seine Tochter. Es ist ein interessanter Schachzug von Fuquas »Southpaw«, dass nicht der langsamen Aufstieg, sondern der rasante Abstieg aus dem Boxer-Olymp an den Anfang der Erzählung gesetzt wird. Aus seiner Millionärs-Villa landet Billy innerhalb weniger Filmminuten direkt auf der Straße und spiegelt damit auch die existenziellen Ängste des Wirtschaftskrisenamerikas. Als Putzer fängt er in der Halle des Amateur-Boxtrainers Tick Wills (Forest Whitaker) an, der den aggressiven Ex-Champion nur widerwillig unter seine Fittiche nimmt und ihm eine ganz andere, defensive und effiziente Kampftechnik beibringt. Das Training wird auch zur Therapie, schließlich will Billy nicht nur den Titel, sondern vor allem seine Tochter wieder zurück. Die Geschichte vom freien Fall und besonnenen Wiederaufstieg des Boxers erzählt Fuqua (»Training Day«) im traditionellen Genreverfahren, auch wenn hier nicht allein der sportliche Erfolg, sondern die psychologische Katharsis im Vordergrund steht. Zusammen mit den erfahrenen Kollegen des HBO-Boxteams gelingen Kameramann Mauro Fiore (»Avatar«) atmosphärisch dichte Kampfszenen, die auch vom Publikum einiges an Nehmerqualitäten verlangen. Gyllenhaal wirft sich jenseits seiner körperlichen Metamorphose mit Verve in die Rolle des Machoboxers, der sein maskulines Selbstbild neu definieren muss. Vielleicht schielt er dabei ein wenig zu sehr auf den Oscar, den er eigentlich schon für »Nightcrawler« verdient gehabt hätte.

Martin Schwickert

SOUTHPAW
von Antoine Fuqua, USA 2015, 123 Min.
mit Jake Gyllenhaal, Rachel McAdams, Oona Laurence, Forest Whitaker,
Curtis »50 Cent« Jackson, Naomie Harris
Drama
Start: 20.08.2015

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