Siegfried Unseld, der Verleger

Siegfried Unseld in Bergen-Enkheim, 1981 (Foto: Isolde Ohlbaum)

Siegfried Unseld in Bergen-Enkheim, 1981 (Foto: Isolde Ohlbaum)

Siegfried Unseld war eine wuchtige Gestalt. Er füllte jeden Raum, den er betrat. Seine Stimme, besonders in der Anfangszeit, galt vielen als zu laut. Doch Peter Suhrkamp wusste, wen er sich als Nachfolger wünschte. Einen Verleger. Unseld dachte groß. Er setzte auf die Autoren der Klassischen Moderne: Brecht, Beckett, Bernhard. Er wusste, um sie zu begreifen, bedarf es einer Theorie: Adorno, Benjamin, Marcuse, Habermas. Es war natürlich auch ein historischer Glücksfall, diese Koinzidenz, aus der die sog. »Suhrkamp-Kultur« entsprang. Unseld dachte also groß, vor allem aber konnte er sich klein machen, seinen Autoren gegenüber. Er wusste nämlich, dass seine Größe als Verleger von der Größe seiner Autoren abhängig war. Und von der Statur seiner Mitarbeiter. Er scharte die klügsten Köpfe um sich. Mit entsprechendem Risiko (wie die berühmten Lektoren-Revolte im Nachklang von ’68 zeigte).  Doch vor allem von seinen großen Autoren hat er sich oft mehr als das Zumutbare bieten lassen. Die Briefwechsel mit Wolfgang Koeppen, Thomas Bernhard, Peter Handke und Max Frisch bieten eindrucksvolle, fast beklemmende Belege dafür. Er tat alles für sie. Er war ein genialer Verkäufer ihrer Bücher, ein überzeugender Propagandist, der von seinen Autoren überzeugt war. Er war, kurz gesagt, der größte deutsche Verleger.  
Das Buch sollte mit einem Vorwort von Frank Schirrmacher, dem FAZ-Herausgeber, eingeleitet werden. Schirrmacher starb »während der Vorarbeiten« zu seinem Text.

Martin Lüdke

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