»Selma« ab 19.2.2015 im Kino

SELMAI have a dream …

»Selma« von Ava DuVernay

Wenn Schlüsselpersönlichkeiten der Weltgeschichte im Kinoformat porträtiert werden, endet das allzu oft in denkmalpflegerischen Werken, die vergeblich versuchen dem historischen Mythos ein menschliches Antlitz zu verleihen. Ava DuVernays »Selma« über den Prediger und Bürgerrechtler Martin Luther King (1929–1968) bildet da im Biopic-Genre eine erfrischende Ausnahme.

Die Filmemacherin entgeht ehrfürchtigen Erstarrungszuständen, indem sie sich einerseits auf einen kurzen, aber prägnanten Zeitabschnitt konzentriert und zum anderen ihren Film weit für das soziale Umfeld und die zeitgeschichtlichen Kontext öffnet. »Selma« ist nicht nur ein Porträt Kings, sondern setzt sich ebenso mit der Funktionsweise und Dynamik der Bürgerrechtsbewegung wie den politischen Machtkämpfen auseinander, die in den USA der Sechziger mit großer Härte ausgetragen wurden. Hautnah wird hier der gewaltige Umwälzungsprozess jener Jahre spürbar. Auf äußerst spannende Weise geht der Film der Frage nach, wie sich Gesellschaft verändern, Widerstand organisieren und politischer Druck aufbauen lässt. Es sind gerade einmal fünfzig Jahre her und trotzdem steht man als Kinozuschauer mit einer gewissen Fassungslosigkeit dem damaligen, rassistischen Alltag im Süden der USA gegenüber. Systematisch werden die Afroamerikaner von der Ausübung ihres Wahlrechts durch krude Registriervorschriften und massive Einschüchterung abgehalten. Obwohl in manchen Ortschaften ihr Bevölkerungsanteil über 50% ausmacht, liegt ihre Wahlbeteiligung gerade einmal bei 2%. Nachdem die Bürgerrechtsbewegung erfolgreich für die Aufhebung der Rassentrennung gekämpft hat und King, im Film von David Oyelowoda dargestellt, 1964 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, sollen nun die Aktionen zur Durchsetzung des Wahlrechts in Selma, Alabama, konzentriert werden. Präsident Lyndon B. Johnson (Tom Wilkinson) will das Problem hintanstellen und versucht, King den Protestzug auszureden, der Gouverneur von Alabama George Wallace (Tim Roth) reagiert mit massiver Polizeigewalt, flankiert von tödlichen Anschlägen des Ku-Klux-Klan. Die Situation eskaliert am 7. März 1965 auf der Edmund Pettus Bridge, wo ein gewaltfreier Protestmarsch vor laufenden TV-Kameras brutal zusammengeknüppelt wird. Die Bilder sind im ganzen Land zu sehen und setzen eine Solidarisierungswelle auch unter weißen US-Bürgern in Gang. In den Auseinandersetzungen zählen tägliche Morddrohungen ebenso zum Geschäft wie die Verantwortung für das Leben der Demonstranten. Das Aufeinanderprallen von moralischem Recht, politischem Taktieren und den ganz persönlichen Grenzziehungen machen dieses Porträt einer Bewegung und ihres politischen Führers zu einem der interessantesten, zeithistorischen Filme der letzten Jahre.

Martin Schwickert

SELMA
von Ava DuVernay, GB/USA 2014, 122 Min.
mit David Oyelowo, Tom Wilkinson, Cuba Gooding Jr, Tim Roth, Dylan Baker, u.a.
Historiendrama
Start: 19.02.2015

Wir verlosen in Zusammenarbeit mit Studiocanal 12 × 2 Freikarten für eine beliebige Vorstellung von »Selma« (sie sollte allerdings nicht ausverkauft sein). Schreiben Sie uns mit dem Kennwort »Selma« und Ihrer Adresse eine E-Mail an verlosungen@strandgut.de oder eine Postkarte an Strandgut Verlag, Ederstraße 10, 60486 Frankfurt. Einsendeschluss ist am 16. Februar, Kinostart am 19.2.

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