Schlussmacher (Start: 10.1.2013)

Schlußmacher (Start: 10.1.2013)Auf Nimmerwiedersehen

»Schlußmacher« von Matthias Schweighöfer

Schöne Idee: Was liegt näher, als in den Zeiten des Coaching-Booms, in denen für alles und jedes professionelle Hilfestellungen angeboten werden, auch einen Trennungsservice zu offerieren. Endlich keine unerfreulichen Auseinandersetzungen mehr, kein lästiges Herumdrucksen, keine peinlichen Szenen, wenn man den Lebensabschnittspartner seiner Wege schicken will.

Während der Schlußmacher die unangenehmen Trennungsangelegenheiten erledigt, kann man sich selbst schon den neuen Liebschaften widmen. So wie einst George Clooney in »Up in the Air« durchs amerikanische Land reiste, um feigen Chefs die undankbare Kündigung ihrer Mitarbeiter abzunehmen, tuckert jetzt Matthias Schweighöfer als Alex durch deutsche Lande, um private Beziehungen abzuwickeln – nun ja, fast genauso. Wo Clooney ultracool bleibt, bringt Schweighöfer die kleinen Brüche, Unsicherheiten und männlichen Makel ins Spiel, die seit vielen Jahren sein Markenzeichen sind, dieses gewisse Hadern mit dem eigenen Männlichkeitsbild, das er in seinem Regiedebüt »What a Man« im letzten Jahr zum knallchargenkomischen Selbsterfahrungstrip verarbeitete. Auf diese Weise gelingt es ihm, zugleich der umworbene Schwarm junger Mädchen zu sein und Identifikationsmodell von Männern, die an ihrem Machoanspruch scheitern.Schlußmacher (Start: 10.1.2013)

So schreit auch beim »Schlußmacher« die smarte jungdynamische Fassade geradezu danach, genüßlich demontiert zu werden. Höchst effizient steuert Alex, der seine bedröppelten Klienten zum Abschied wie ein Versicherungsvertreter mit einer kleinen Infomappe ausstattet, auf eine Firmenpartnerschaft zu – zumindest bis ihm Thorsten in die Quere kommt, das jüngste Opfer seiner Trennungshilfe. Mit unerschütterlicher Penetranz, mitleiderregender Hilflosigkeit und zerknautschtem Charme zersetzt Milan Peschels Thorsten die Contenance von Schweighöfers Alex, sein Siegerlächeln, die überlegene Attitüde, den Redefluß, der keinen Widerspruch duldet und Gefühle routiniert in bloße Verhaltensmuster umwandelt. Ganz nebenbei kitzelt er damit auch die menschliche Fehlbarkeit hervor, jene sympathische Hilflosigkeit, die Schweighöfers Figuren immer wieder auszeichnet. Was langfristig dazu führt, daß er sich auf die Dinge besinnt, die im Leben wichtiger sind als eine makellose Karriere.

Das Ganze wäre tatsächlich eine hübsche Komödienidee, wenn Matthias Schweighöfer nicht so einen unglücklichen Hang zu den allerplattesten Albernheiten hätte. Natürlich wird dem smarten Dynamiker vom tolpatschigen Schussel unablässig übel mitgespielt, natürlich weiß er, daß es besser wäre, seinen Kurschatten von den Kunden fernzuhalten, aber natürlich läßt der sich nicht so leicht abschütteln.

Statt auf klugen Wortwitz und eleganten Slapstick setzt der Film im Zweifelsfalle lieber auf derbe Primanerspäße. Da spürt man, daß Schweighöfer gut bei seinem Kollegen, Mentor und Freund Til Schweiger aufgepaßt hat; der Erfolg bei der breiten Masse der amüsierwilligen Zuschauer wird ihm recht geben, immerhin hatte auch schon Schweighöfers eher derbhumoriger »What a Man« fast zwei Millionen Zuschauer.

Anke Sterneborg

 

SCHLUSSMACHER
von Matthias Schweighöfer,
D 2013, 110 Min.
mit Matthias Schweighöfer, Milan Peschel, Catherine De Léan, Nadja Uhl, Anna Bederke, Heiner Lauterbach
Romantische Komödie
Start: 10.01.2013

 

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