Portrait: Das Hafenkino in Offenbach

Die Auswahl macht‘s

Veranstaltungshalle und Kino, das ist keine schlechte Kombination – sofern dazu auch noch für das körperliche Wohl der Gäste gesorgt wird. Wenn das Kino im Offenbacher Hafen 2 in diesem Monat ein Jubiläum feiert, dann ist es höchste Zeit für eine Würdigung in unserer Reihe.

Fünf Jahre gibt es das Hafenkino schon, und es hat sich mittlerweile einen festen Platz im hiesigen Filmangebot erobert. Regelmäßig am Freitag (manchmal auch donnerstags oder samstags) zeigt eine Gruppe von Kinobegeisterten ausgewählte Filme, die sie besonders mögen oder »aus einem anderen Grund für besonders sehenswert halten«, wie sie auf ihrer Website schreiben.
Das Hafenkino entstand aus einer spätsommerlichen Euphorie. Die Open Air Kino Saison 2010 war beendet, und das Programm-Team wollte kein Dreivierteljahr warten, um wieder Filme zeigen zu können. Der Hafen 2 war damals mit seinen Veranstaltungen im später abgerissenen Lokschuppen der Hafenbahn untergebracht. Dort gab es eine Halle ganz am Ende des Gebäudes, die fast ausschließlich für Kino genutzt werden konnte. Im neuen Hafen 2 ist die Halle größer und komfortabler.
Die Ursprünge des Kinos gehen zurück auf eine Initiative an der Frankfurter Uni. Eine Gruppe aus dem KoZ  (eine ironische Abkürzung für Kommunikationszentrum) im Studentenhaus machte auf dem Bockenheimer Campus in den Neunzigern Open Air Kino. Erster Film war »Yol, der Weg« von Yilmaz Güney, ein Debüt, auf das man stolz sein darf.
Danach ging es nach Offenbach mit Filmen, die von 2000 bis 2003 donnerstags im rotari, einem kleinen Club am Marktplatz, gezeigt wurden. Auch im Hafen 2 begann die Gruppe um Enrico Corsano das Open Air Kino mit einem großen Klassiker: »Panzerkreuzer Potemkin« beim Eröffnungsfest 2003. Später organisierte Daniel Brettschneider, der jetzt im Ledermuseum und bei Lichter aktiv ist. Es gab immer wieder Film-Abende in Kooperation mit der HfG, manchmal kamen auch überregionale Filmschaffende und Künstler – das wurde begünstigt durch das Ausstellungsprojekt Interim.projekte, das im Lokschuppen einen eigenen Raum hatte.
Das Hafenkino mit seinen bis zu 210 Sitzplätzen hat schon ein eigenes Profil – exemplarisch sind sicher Filme wie »Die langen hellen Tage« oder »Land der Wunder«,  meist in OmU – ein Stammgast nannte sie neulich »Gutmenschenfilme« (für deren Auswahl  meist Andrea Weiß und Alex Braun verantwortlich sind). Glücklicherweise besteht das Team noch aus Michael Englert und Clemens Dörrenberg, die andere Vorlieben einbringen – Michael etwa »Enter the Void« oder »It Follows«, Clemens hüpft das Herz bei Skater- und Musikfilmen. Zum Team gehören aber auch noch Felix Pohl (Abbauen im Gewittersturm!) sowie Lena Dinse und Marie Prangenberg, die für manche Filme vorab Bilder malen.

Claus Wecker (Foto: Das Hafenkino-Team: Alexander Braun, Andrea Weiß, Michael Englert, Clemens Dörrenberg (v.l.n.r.), © Hafenkino)
Das fünfjährige Jubiläum wird am 2. Oktober gefeiert. Es gibt ein Hafenkinogeburtstagscafé, mit »Der Sommer mit Mamã« einen Hafenkinogeburtstagsfilm, ein Filmquiz, ein Konzert und die Hafengeburtstagsnacht.
Hafen 2, Nordring 129, 63067 Offenbach, Tel.: 26 01 22 23
www.hafen2.net

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