Papadopulos & Söhne (Start: 27.6.2013)

Papadopulos & Söhne (Start: 27.6.2013)Alexis Sorbas in England

»Papadopulos & Söhne«
von Marcus Markou

 

Ein gemachter Mann ist Harry Papadopulos. Gerade ist er zum »Europäischen Unternehmer des Jahres« ernannt worden, ein weiterer Triumph für den Mann, der – als Witwer mit drei Kindern und einer Haushälterin – ein luxuriöses Heim sein eigen nennt und demnächst mit der Eröffnung des Einkaufszentrums »Papadopoulos Plaza« das Portfolio seines Unternehmens vergrößern will.

Lange kann er sich allerdings nicht an der Auszeichnung erfreuen, denn urplötzlich kommt die nächste Finanzkrise und sogleich fordern die Gläubiger die Rückzahlung ihrer Darlehen binnen kürzester Frist. Sogar das Haus muß geräumt werden, wirklich nichts bleibt Harry und seiner Familie mehr. Doch, etwa schon: ein heruntergekommenes und längst geschlossenes Fish & Chips-Restaurant, das die Bank nicht pfänden kann, weil es Harry nicht allein gehört, sondern zur Hälfte seinem Bruder Spiros. Mit dem allerdings hat Harry seit Jahren nicht mehr geredet …

Doch ist diese Problemkonstellation gerade einmal etabliert, da sitzt Spiros auch schon am Tisch der Familie und verbreitet ungehemmten Optimus, der seine ansteckende Wirkung auf die Familienmitglieder nicht verfehlt, auch wenn besagter Laden in einem total heruntergekommenen Zustand ist und dieser Überzeugungsprozess natürlich bei Harry am längsten dauert. Aber irgendwann erkennt auch der, dass die Maxime, die er zu Beginn des Films seinem ältesten Sohn vorhielt, als der sich lieber mit Pflanzen beschäftigen wollte als sein Jurastudium zu beenden, genauso auf ihn selber zutrifft: gemäß Darwin wird nämlich nur derjenige überleben, der sich anzupassen versteht.

Das Filmdebüt des Autors Marcus Markou ist ein Feelgood-Movie, was auch heißt, dass es nicht auf Überraschungen setzt, sondern (fast) alles so läuft, wie es der Zuschauer schon erahnt. Dass das hier funktioniert, liegt nicht zuletzt an den Darstellern, zumal an denen der beiden ungleichen Brüder.

Überzeugend verkörpert Stephen Dillane (»Game of Thrones«, »Welcome to Sarajewo«) den griesgrämigen Protagonisten, der kaum einmal eine Mine verzieht, während Georges Corraface, den ein deutscher Kritiker anlässlich seiner Titelrolle als Christoph Columbus in John Glens ödem Spektakel 1992 als »Chris aus dem Bräunungsstudio« abkanzelte, den lebenslustigen Spiros als legitimen Nachfahren von Alexis Sorbas gibt, jener Figur, die Anthony Quinn 1964 eine Oscar®-Nominierung einbrachte. Ähnlich wie Sorbas seinerzeit einem gehemmten britischen Schriftsteller griechische Lebensfreude beibrachte, funktioniert das auch hier. Und während sich der Zuschauer, dem der Film »Alexis Sorbas« nicht unbekannt ist, noch fragt, ob dies nicht ein ins London der Gegenwart versetzter Aufguß von dessen Story ist, da tanzen alle in der letzten Szene zu den Klängen von Mikis Theodorakis’ berühmter »Sorbas«-Musik den Sirtaki.

Frank Arnold

 

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