Palmengarten: Der Sommer gehört dem Lebensraum Savanne

Oh, wie dick ist der Baobab!

Der aufrechte Gang kommt aus Afrika und wurde hier vor acht Millionen Jahren erfunden. Über die Ursachen dafür sind sich die Wissenschaftler nicht einig. Manche meinen, dass der Vor-Mensch endlich die Hände frei haben wollte, zum Tragen und Schlagen. Andere, dass der Gang auf zwei Beinen auf langen Strecken energieeffizienter sei und obendrein einen besseren Überblick bei der Jagd wie beim Gejagt-werden verschaffe. Letzteres leuchtet bei Lucy, der einer der ältesten Knochenfunde zugeordnet werden, aber nur bedingt ein, soll doch die nach »Lucy in the Sky with Diamonds« getaufte junge Äthiopierin gerade mal 120 Zentimeter groß gewesen sein – vor etwa 3,2 Millionen Jahren.
Einig scheint man sich indessen, dass der evolutionäre Schub auf dem Weg der Menschwerdung des Affen durch einen brachialen Klimawandel und die mit der Zurückdrängung des Urwalds verbundene Ausbildung der afrikanischen Savanne verbunden ist. Diese zwischen Urwald und Wüste angesiedelte tropische Landschaft bedeckt heute 20 Prozent Oberfläche des Kontinents und ist nun als »Lebensraum Savanne« das Thema der großen Sommerausstellung im Palmengarten. Die Betrachtung der Savanne als die Wiege der Menschheit thematisiert zwar nur einen der vier in Abteilungen präsentierten Aspekte der Schau im Gewächshaus. Doch kommt hier besonders die Kooperation mit dem Senckenberg Naturmuseum zum Tragen, aus dessen Fundus Knochen, Schädelmodelle und Illustrationen als Exponate beigesteuert wurden.
In den anderen Abteilungen zahlt sich die Mitwirkung der Goethe-Uni aus, von der auch die Kuratorinnen kommen. Hier geht es um die Vielfalt von Flora und Fauna, um die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Afrikaner gestern und heute sowie darum, was aus der Savanne wohl werden wird im aktuellen Klimawandel. Den Schwerpunkt bildet überraschend Westafrika, denkt man beim Stichwort Savanne doch meistens an die Doktor-Grzimek-Serengeti und Massai-Mara-Steppenlandschaften mit fläzenden Löwenfamilien aus den Urlaubskatalogen. Stattdessen zeigt die Schau, dass die Savanne auch grün und blumig aussehen kann, wie die Lüneburger Heide im Frühling. Im Ausstellungsraum, der Galerie West, wird das mit riesigen Fotowänden vor Augen geführt. Eines dieser tapetengleichen Bilder zeigt in lebensechter Größe den imposanten Stamm des afrikanischen Baobab, dicker noch als dick. Eintausend Jahre werden die von Tier und Mensch ausgiebig genutzten Affenbrotbäume alt.
Nicht als Bild. sondern als Eins-zu-Eins-Rekonstruktion wird das architektonische Filigranwerk anderer typischer Bewohner des Kontinents vorgestellt: ein veritabler Termitenhügel. Im Querschnitt werden nicht nur die Gemächer und ausgeklügelten Funktionskammern einer respektablen Wohnflucht der Ameisenkönigin nebst Wächter und Getrenntmüll-Kammern offengelegt. Es wird auch demonstriert, was passiert, wenn sich mal ein Rhinozeros oder ein Elefant am Termitenhügel reibt und die vielbeinige Arbeiterklasse des Ameisenstaates in Großbrigaden zur Reparatur anrückt.
Besonderes Augenmerk gilt aber auch der medizinisch-pharmazeutischen Nutzung der Kräuter, Wurzeln und Früchte der Savanne bis in das Angebot des Verkaufs- und Getränkeshops hinein. Zahlreiche Vorträge und Workshops wird es zum »Lebensraum Savanne« geben.

gt (Foto: © Palmengarten)
Bis 18. September: täglich 9 bis 18 Uhr
www.palmengarten.de

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