Nils Petter Molvaer: Switch (OKeh/Sony)

Loslassen

Vieles ist einem sofort vertraut. Der im Raum schwebende Trompetenton, dem viel Luft beigemischt, weil Nils Petter Molvaer sein Instrument noch nie wirklich als Melodieträger verstanden hat, sondern eher wie etwas Skulpturales. Die fulminanten elektronischen Klang- und Geräuschcluster, das Grundrauschen quasi aller Molvaer-Platten der letzten 20 Jahre. Und die Sehnsucht, in dieses Rauschen förmlich hineinzuhören. Das ist Molvaers musikalisches Lebensthema, seit er Mitte der 80er Jahre an der Seite der norwegischen Jazzpioniere Jon Christensen und Arild Andersen das erste Mal auf sich aufmerksam und vor allem seit er Mitte der 90er Jahre mit »Khmer« sein erstes richtungsweisendes Album aufnahm.

Doch plötzlich taucht da eine Steel-Guitar auf und erzählt ihre eigene, ganz schlichte Geschichte. Von einem Leben weitab urbaner Metropolen, von innerer Ruhe, vom Loslassen. Und Molvaer lässt sich davon beeindrucken. »Switch«, so der Name seines neuen Albums, wirkt weniger getrieben, nicht mehr so rastlos und innerlich geladen. Molvaer selbst erkennt eine neue Friedlichkeit. »Ich suche nicht so sehr nach meinen inneren Widerständen, wie das auf früheren Alben der Fall gewesen ist. Vielleicht«, fügt er lapidar hinzu, »liegt das an meinem Alter.«

Tim Gorbauch

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