Museum Wiesbaden: »Delacroix, Courbet, Ribot – Positionen französischer Kunst des 19. Jahrhunderts«

Wo die moderne Kunst begann

Das 19. Jahrhundert war in der Kunst das französische Jahrhundert. Von hier aus, von Frankreich, kamen die entscheidenden Impulse, die entscheidenden Akzente für den Beginn der Moderne – hier begann die moderne Kunst. Das zeigt derzeit eine kleine Ausstellung im Museum in Wiesbaden, die mit Eugène Delacroix, Gustave Courbet und Théodule Ribot drei Künstler in den besonderen Fokus rückt.
Nach der französischen Revolution wurde Paris zum Nabel der Kunstwelt. Ein »Experimentierlabor«, so nennt es Kurator Dr. Peter Forster, war Paris damals – und wird bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs die Kunststadt der Welt bleiben.
Im Mittelpunkt der Ausstellung, deren Werke aus zwei Privatsammlungen stammen, steht der Beginn des Realismus, die Kunst von Barbizon und Fontainebleau, die mit Arbeiten von Gustave Courbet, Jean-François Millet, Théodule Ribot und François Bonvin vertreten ist. Zu sehen ist nicht nur Malerei, sondern vor allem auch Druckgrafik: Lithografien von Eugène Delacroix, aber auch von Théodore Géricault, Pierre Bonnard und Édouard Vuillard. Als Vorreiter in der französischen Lithografie gilt vor allem Delacroix, der sich 1827 Goethes »Faust« zum Thema nimmt.
Es gibt einige Höhepunkte in dieser Ausstellung: Courbets »Brandungswogen mit drei Segelschiffen« etwa, um 1870 entstanden. »Die Reisigsammlerinnen« von Millet, 1867 erschaffen, ein Pastell von besonderer Qualität, das in Museumsbesitz ist. Eines von leider nur ganz wenigen französischen Arbeiten aus dem 19. Jahrhundert, die Wiesbaden sein eigen nennen kann. Im 19. Jahrhundert sammelte man in der Kaiserstadt Wiesbaden keine französische Kunst,sie galt als undeutsch.
Glücklicherweise gibt es Privatsammlungen, wie jene, welche diese Ausstellung ermöglicht haben. Eine weitere, wunderbare, freie und modern anmutende Arbeit ist etwa Ribots »Die Folter des Alonso Cano«, die an den andalusischen Maler, Bildhauer und Architekten Alonso Cano erinnert, Hofmaler Königs Philipp IV. Ribots Werk selbst steht in seinem furiosen Hell-Dunkel in der spanischen Tradition.
Malerei, Skizzen, Lithografien, Studien zeigt die Ausstellungen – weltbekannte Künstler wie Géricault oder Honoré Daumier, doch auch vieles, was kaum bekannt ist. Darunter manches, was zu entdecken lohnt. Die Schau spannt den Bogen bis ins frühe 20. Jahrhundert. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.

Marc Peschke (Foto: François Millet: Reisigsammlerinnen, © Museum Wiesbaden)
Bis 6. Mai: Di.–So. 10–17 Uhr, Di., Do. Bis 20 Uhr
www.museum-wiesbaden.de

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