Museum Angewandte Kunst: »Weather Diaries«

Weather Diarys (Foto: MAK/Rammatik)Fischhaut, Felle, Frauengeschichten

Mode, Design, Handwerkskunst – die Grenzen sind fließend. Deshalb muss es nicht wundern, wenn in relativ kurzer Zeit im Museum Angewandte Kunst eine Ausstellung läuft, die sich getrost auch als Modenschau mit Kunstanteil oder umgekehrt etikettieren ließe. Mit »Draußen im Dunkel. Weitermachen nach der Mode« haben die »Weather Diaries« indes nicht nur den poetischen Titel gemein, auch mancher Name, wie der von Barbara I Gongini, taucht nebst der zugehörigen Handschrift wieder auf. Nur ganz so international ist Nordic Fashion von der Schöpferseite her nicht. Die nach Rejkjavik (2009) und Seattle (2011) in ihrer dritten Auflage zu sehende Design-Biennale fokussiert Arbeiten von zwölf Designern und/oder Künstlern aus Island, Grönland und von den Färöer Inseln.
Diese etwas prosaische Sicht wird freilich dem Anspruch nicht ganz gerecht, der hier vermittelt werden soll und sich wesentlich im identitätsstiftenden Naturbezug und in der Verwendung von natürlichen Ressourcen oder in der Anlehnung an diese äußert. Ihre Stoffe sind Wolle von Schafen, Felle, Fischhaut und Traditionen. Dennoch basiert die optisch bestechendste Arbeit von Hrafnhildur Arnardöttir aka Shoplifter aus rastaverfilzt wirkenden farbigen Kunsthaar-Büscheln, die eine wonnigweichwohlig anmutende Höhle beschreiben. Die Installation bildet eine Neuronenlandschaft nach, mit der die Künstlerin künstliche und überzogene Schönheitsideale moniert. Einen starken Hinweis liefern auch die mystisch wirkenden Fotografien von Sarah Cooper und Nina Gorfer, die Frauengestalten nordischer Sagas mit ihrer Geschichte in Szene setzen.

Winnie Geipert
Bis 22. Juni: Di.–So. 10–18 Uhr; Mi. bis 20 Uhr
www.museumangewandtekunst.de

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