Meine Guten (91)

Die heute »herrschende Meinung« ist (vermutlich) nicht mehr die Meinung der »Herrschenden«, es wäre denn, wir glaubten, die Vertreter der Herrschenden seien Kai Diekmann und Frank Schirrmacher. Ersterer war immerhin am Sturz eines Bundespräsidenten beteiligt, letzterer ist dabei behilflich, die deutsche Geschichte auf ein Format zurecht zu stutzen, mit dem seine Generation leben kann. Da ist etwa die beispiellose Unterstützung der FAZ für den TV-Dreiteiler »Unsere Mütter, unsere Väter«, ein Werk, das uns weismachen will, dass unsere Vorfahren nicht Autoren ihres Lebens waren, weder Täter noch Opfer, aber von beidem ein bißchen. Das ist versöhnlich, dass es auch Geschichtsklitterung ist, spielt keine Rolle. Auch nicht, dass das Werk grottenschlecht ist, voller eindimensionaler Charaktere und papierener Dialoge nebst einer Handlung ohne Hand und Fuß.

Dann kam Christopher Clark mit seinen »Schlafwandlern« – und nun wissen wir, dass Deutschland nicht allein schuld am 1. Weltkrieg war. Dabei wurde die These von der Alleinschuld der Deutschen schon in den 1970er Jahren ad acta gelegt. Allerdings steht zweifelsfrei fest, dass die Deutschen in Exekution des Schlieffenplans in Belgien eingefallen sind, wo sie sich wie Schweine aufgeführt haben, und womit der 1. Weltkrieg begann. Schadensregulatorisch würde man die Kriegsschuld aufteilen müssen in etwa 70% Deutschland und 30% Rest der Welt. Aber »alle sind schuld« hört sich natürlich viel besser an. Demnächst wird uns jemand erklären, dass der 2. Weltkrieg die direkte Folge des 1. gewesen ist, weswegen wir am 2. auch nicht allein schuld gewesen sein können.

Was uns zu den Juden bringt. Deren Staat wird mittlerweile alleine für allen Unsinn, der im Nahen Osten passiert, haftbar gemacht, was zu einem Boykott von israelischen Gütern durch die Guten von Oxfam, der EU, aber auch von Lidl und Tengelmann führte.

An die Spitze der Bewegung setzte sich »der Mann, der niemals recht hat«, Martin Schulz, EU-Parlamentspräsident. Die FAZ druckte ein Bild dazu, Legende: »Präsident (sic!) Martin Schulz…«, auf dem man sieht, wie Schulz sich mit einem »tapferen« Palästinenserjungen unterhält. Anschließend wirft er im israelischen Parlament den Israelis (unter Berufung auf falsche Zahlen) vor, sie lieferten den Palästinensern absichtlich zu wenig Wasser. Der Mann, der sich alleweil wie ein Elefant im Porzellanladen benimmt und immer wieder Nichtbefähigungsnachweise liefert, erhält für sein Getrampel selbstredend den Beifall der Guten, die falschen Zahlen werden ihm als »technische Panne« nachgesehen.

Ein Lob an dieser Stelle für Scarlett Johansson, die Oxfam zum Teufel geschickt hat, weil sie sich deren Druck nicht beugen und lieber weiter Reklame für das israelische Unternehmen Sodastream machen wollte. Das will ich hiermit auch: Kauft Leute bei Sodastream. Und schickt Martin Schulz endlich in Rente.

Kurt Otterbacher

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