Like Father, Like Son (ab 25.9.2014 im Kino)

fr_0925_Like_Father_Like_Son1Vater werden

»Like Father, Like Son« von Hirokazu Kore-eda

»Blut ist dicker als Wasser«, sagt man und meint damit eine besondere Qualität verwandtschaftlicher Beziehungen. Sind sie tatsächlich intensiver als die Beziehungen zu Nicht-Verwandten, die auf Sympathie, Nähe und Zeit beruhen. Am Beispiel einer Geschichte über vertauschte Kinder untersucht der japanische Regiemeister Hirokazu Kore-eda in dem jetzt in die deutschen Kinos kommenden Film »Like Father, Like Son« Familienbande, vermeintliche und biologische.

Obwohl viele seiner Werke den Weg in die deutschen Arthouse-Kinos gefunden haben, ist  der 1962 in Tokyo geborene Hirokazu Kore-eda hierzulande nur den Freunden des japanischen Films ein Begriff. Dabei ist er einer der großen präzisen Beobachter im gegenwärtigen Kino, ein klassischer Regisseur, gewissermaßen ein geistiger Enkel von Yasujirô Ozu. Wie jener hat auch Kore-eda die Familie zu seinem Lieblingsthema gemacht.
Der einen von zwei Familien widmet er am Anfang sehr viel Zeit. Ryota Nonomiya, ein Mann in den besten Jahren, tut alles, um in seinem Job voranzukommen. Er wohnt mit Frau und Sohn in einer westlich anmutenden Wohnung in einem modernen Haus, wo er allerdings wenig Zeit verbringt. Karriere bedeutet ihm alles, die Vaterpflichten nimmt er mit rigiden Vorstellungen wahr. Ryota entspricht vollkommen dem Bild, das man sich von einem strebsamen Mittelstandsjapaner macht.
Die Familie zusammenzuhalten ist folglich Aufgabe seiner Frau Midori, die sich liebe- und verständnisvoll um ihren sechsjährigen Sohn Keita kümmert und sich gegenüber der skeptischen, in einer traditionellen japanischen Wohnung lebenden Mutter loyal zu ihrem Ehemann zeigt. Wichtig ist, dass wir diese Kleinfamilie in vielen Situationen beobachten können, dass aus drei Filmfiguren, Vater, Mutter und Sohn, allmählich lebendige Personen werden.
Die mit zahlreichen Entschuldigungen vorgetragene Nachricht (wir sind in Japan!) trifft Ryota und Midori aus heiterem Himmel: Keita ist nicht ihr leibliches Kind, er wurde nach der Geburt im Krankenhaus vertauscht. Wie damit umgehen? Was tun?
Zunächst einmal die Familie kennenlernen, in der der leibliche Sohn lebt. Dort herrscht ein buntes Treiben. Die Familie wohnt in einem kleinen Haus über dem Laden, den der Vater führt. Der nimmt sich viel Zeit für seine Kinder. Ein Mustervater also, und man ahnt schon, dass es bei einem Tausch der Söhne, zu dem vor allem die älteren Männer im Umfeld raten, für Ryota und seine Frau nicht einfach werden könnte. Ryota wird sich ändern müssen, um mit der Situation, wie auch immer sich die beiden Elternpaare entscheiden, zurecht zu kommen.
Wie Ryota auch emotional zum Vater wird, ist das zentrale Thema des Films. Es ist eine Entdeckung der Gefühle, wie man sie in dieser Intensität nicht gerade oft im Kino erleben kann, und die sensible Schilderung dieser Charakterwandlung macht »Like Father, like Son« zu einem Meisterwerk.

Claus Wecker
LIKE FATHER, LIKE SON
(Soshite chichi ni naru)
von Hirokazu Kore-eda, Japan 2013, 120 Min., mit Masaharu Fukuyama, Machiko Ono, Lily Franky, Yoko Maki
Drama
Start: 25.09.2014

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