Liberace (Start: 3.10.2013)

Liberace (Start: 3.10.2013)Mehr als ein Möbel

»Liberace – Zuviel des Guten ist wundervoll« von Steven Soderbergh

Sollte Michael Douglas einmal den Ehren-Oscar für sein Lebenswerk bekommen, können wir uns auf die Filmausschnitte freuen, die dann zu sehen sein werden. Denn an Glanzrollen herrschte bei ihm schon bisher kein Mangel. Jetzt ist ein weiterer Höhepunkt hinzugekommen: seine Darstellung des Glamourstars Liberace in Steven Soderberghs angeblich allerletzten Film.

Bei den Dreharbeiten zu »Traffic« soll Soderbergh seinen Hauptdarsteller Michael Douglas gefragt haben, ob er sich vorstellen könne, Liberace zu spielen. Dessen Antwort war wohl eine hinreißende Liberace-Imitation. Jetzt, nachdem der komplette Film »Liberace – Zuviel des Guten ist wundervoll« vorliegt, kann man dem Regisseur zu seiner Idee nur gratulieren. Nach dem bisexuellen Prof. Grady Trip aus den »Wonder Boys«, Douglas’ Großtat vor dreizehn Jahren, gibt er den schwulen Liberace als wär’s ein Stück von ihm.

Dabei wurde dessen homosexuelle Orientierung vor den Fans, hauptsächlich gutsituierten älteren Damen, die ihn vergötterten, so konsequent wie möglich verborgen. Sie war in den siebziger Jahren noch streng tabuisiert. Sein Aufstieg zum bestbezahlten Klavierartisten und Entertainer, der dem Publikum in Las Vegas eine heile Welt mit dem liebenden Sohn einer liebenden Mutter (im Film die kaum zu erkennende Debbie Reynolds) vorspielte, drohte, in einem brutalen Absturz zu enden.

Für den Film galt es, diesen Zwiespalt zwischen öffentlichem Schein und »wahrem« Sein darzustellen. Und Douglas weiß den Charmeur im Rampenlicht ebenso überzeugend zu spielen wie den tuntigen Anführer im Käfig voller Narren. Der Film wirft einen ironischen Blick hinter die Kulissen, in das mit viel Geld und einem kindlichen Geschmack eingerichtete Haus des Stars und auf dessen Affäre mit dem jungen Bewunderer Scott, die 1977 begann. Dabei ist keine fade Modenschau im Glitzer-Ambiente herausgekommen, und das ist nicht nur dem famosen Douglas, sondern auch dem nicht minder glanzvollen Matt Damon in der Rolle des Loverboys Scott zu verdanken.

Bei beiden haben Maskenbildner und digitale Technik ganze Arbeit geleistet – bedenkt man, dass Douglas dem Aussehen Liberaces, auch mit dessen »Schönheitsoperationen« erstaunlich nahe kommt und der 1970 geborene Matt Damon einen Jungspund spielt, der in Liberace einen Vaterersatz sucht. Neben Douglas in Höchstform zu bestehen ist wahrlich keine leichte Aufgabe.

Die schwule Liebesgeschichte, die der Film erzählt, trägt von Anfang an ihr Scheitern in sich. Wenn Scott den aktuellen Liebhaber ersetzt, ahnt man schon, dass in ein paar Jahren der Nachfolger kommen und Scott unsanft vor die Tür gesetzt werden wird. Denn hinter Liberaces Schmeicheleien steht der knallharte Egoist, der mit seinem Geld prunkvolle Häuser samt den Leuten, die sie bewohnen, kaufen kann. Erst als das AIDS-Virus zuschlägt, muss er einsehen, dass Scott mehr war, als nur ein lebendes Möbelstück. Das bittere Ende vom reuigen Machtmenschen ist – obwohl nicht gerade neu – auch diesmal bewegend anzuschauen.

Claus Wecker

LIBERACE – ZU VIEL DES GUTEN IST WUNDERVOLL (Behind the Candelabra)
von Steven Soderbergh, USA 2013, 118 Min.
mit Michael Douglas, Matt Damon, Scott Bakula, Eric Zuckerman, Eddie Jemison, Randy Lowell
Biopic
Start: 03.10.2013


Behind the Candelabra (2013) on IMDb

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