Last Exit »Brexit«

Der scheidende Präsident Obama hat bei seinem England-Besuch wieder außenpolitische »Weitsicht« bewiesen, weswegen Martin Schulz ihm sicher die Füße küssen würde. Schulz, der Mann, der niemals recht hat, und zuletzt auffällig geworden ist mit der Behauptung, die AfD sei eine Schande für Deutschland. Obama jedenfalls hat den Engländern gedroht: wenn ihr die EU verlaßt, dann ist auch bei uns Ende Banane. Dann müßt ihr euch ganz hinten anstellen.
Nun wissen wir mittlerweile, was es mit Obamas Drohungen auf sich hat: nämlich nichts. Wir erinnern uns an seine Drohungen gegen Assad und die vielen roten Linien, die er waffenbewehrt nicht überschritten haben wollte. Aber als es soweit war, hat er gekniffen. Er hatte nicht mal den Schneid von Clinton, der als Antwort auf Lockerbie immerhin den Palast von Gaddafi in Schutt und Asche legte. Obama ist zwar in Teilen einsichtsfähig. Für seinen größten Fehler hält er aber nicht Syrien, sondern seinen Libyen-Einsatz. Auch von dem, damals von sehr vielen für verfrüht gehaltenen, Truppenabzug aus Afghanistan und Irak, ist nie die Rede, obwohl das Ergebnis zeigt, dass die Warner so falsch nicht lagen.
Zudem ist er, wie man hört, ein Zögerer und Zauderer, was so schlecht nicht ist, denn so wurde schließlich Hannibal besiegt. Im Unterschied zu Quintus Fabius Maximus würde Obama dem alten Hannibal vermutlich nur einen Reset-Knopf mit der Aufschrift »ceterum censeo« in die Hand drücken und so Karthago zum Lachen bringen. Als SPD-Chef wäre er Spitze.
Auch viele europäische Meinungsführer hacken auf den Engländern herum, warnen vor den Gefahren, die ihnen bei einem »Brexit« drohten. 48% des Außenhandels der Briten würden innerhalb der EU abgewickelt, heißt es. Auch die Rolle Londons als europäische Finanzhauptstadt sei bedroht. Glücklicherweise ist Londons Börse gerade dabei, mit Frankfurt zu fusionieren, was auch noch gut für Frankfurt ist. Der Außenhandel hinwiederum ist beidseitig: die Länder, die jetzt mit den Briten handeln, werden das sicher auch nach dem »Brexit« tun. Vermutlich werden zusätzliche Kosten anfallen, was die Engländer mit dem Geld finanzieren, das sie, als drittgrößter Nettozahler, nicht mehr an die EU abdrücken müssen. Zu großen Teilen ging es eh an die Franzosen, um deren Landwirtschaft zu subventionieren. Dafür haben die Briten wieder größere Hoheit über ihre eigenen Angelegenheiten.
Falls die Briten aussteigen, und nach Obamas Drohungen werden eher mehr Leute als weniger dem Ausstieg zustimmen, wird sich binnen kurzem zeigen, welchen Nutzen die EU für sie hatte.
Was im Grunde alle Brexit-Warner fürchten wie der Teufel das Weihwasser, ist: dass es den Engländern nachher nicht schlechter ginge. Das aber würde die EU zwingen, sich – wie es McKinsey nennen würde – auf ihre Kernkompetenzen zu besinnen, worin immer diese bestehen. Es ist eine, wenn auch sehr kleine Hoffnung.
Bis dahin wird uns der Herr Draghi weiter ein unwirksames Medikament verabreichen, dessen Wirkung seines Erachtens durch »Kritik« gefährdet werde. Damit weist er der EZB-Politik den Rang eines Placebos zu. Witzig.

Kurt Otterbacher

One Response

  1. Michael Scheier
    16. Juni 2016

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