Jorinde Dröse inszeniert Friedrich Hebbels »Nibelungen«

Jorinde DröseDie gierigen Burgunder

Das Frankfurter Schauspiel hat sich zur Saisoneröffnung 2013/14 einen der ganz großen Stoffe herausgesucht: Friedrich Hebbels Trauerspiel »Die Nibelungen« von 1861 steht zumindest in Deutschland im Rang eines Theater-Pendants zu Richard Wagners Ring-Tetralogie. Das hehre Stück, das in voller Länge auch schon über zwei Tage gespielt wurde, hat Intendant Oliver Reese Jorinde Dröse anvertraut, einer mit 35 Jahren noch zu den eher Jungen des Genres zählende Frau, die als Querdenkerin gilt und – zuletzt Hausregisseurin am Maxim Gorki in Berlin – längst festen Bühnenboden hat unter den Füßen. Am Frankfurter Schauspiel hat sich die gebürtige Hanauerin mit zwei im Großen Haus präsentierten Produktionen – Lessings-Komödie »Minna von Barnhelm« und Heinrich Manns »Der Blaue Engel« – eindrücklich profiliert.

Je intensiver sie sich mit Hebbels auch sprachlich dichter Behandlung der Siegfried- und Brunhild-Saga beschäftige, desto moderner komme ihr diese vor, antwortet Dröse auf die Frage nach der Aktualität dieser schweren, mythisch beladenen Vorlage. Macht, Gold, Potenz und Geltungssucht bestimmten eine ins Verderben führende Handlungslogik, die durchaus Vergleiche zu heute öffne, weist Dröse auf die gierigen Gebaren der Burgunder. Die Figuren handelten allesamt zwar in bester Absicht, seien aber ausweglos den Prämissen einer brutalen und Empathie-losen Männergesellschaft ausgeliefert, die letztlich auch von den Frauen übernommen werde. Mit der Konsequenz eines desaströsen Endes. Vor einer ins Tümeln geratenden romantischen Lesart scheint das Frankfurter Publikum bei Dröse jedenfalls gefeit. »Die Nibelungen« seien schon von der sich über den Nordkontinent verbreiteten Herkunft der Protagonisten her eine zutiefst europäische Angelegenheit, weist sie auf deren ethnische Durchmischung in den Zeiten der Völkerwanderung. Aktuell ist das allemal.

Dröse geht davon aus, Hebbels Textdrachen im herkömmlichen Rahmen von etwa drei Stunden erlegen zu können. Die Rolle des Siegfried übernehme Lukas Rüppel, der aus Stuttgart kommend neu im Ensemble ist, während Niko Holonics den Hagen und Sascha Nathan den König Gunter spielten. Spannend wird es vor allem bei den Frauen, die mit der so präsenten Constanze Becker als Brunhild und der in Frankfurt debütierenden Verena Bukal (Krimhild) wunderbar kontrastieren sollen.

Winnie Geipert
Termine: 13., 14., 19., 23., 27. September, 19.30 Uhr

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