Historisches Museum zeigt »Gefangene Bilder. Wissenschaft und Propaganda im Ersten Weltkrieg«

Deutsche Propagandapostkarte 1914, © Peter SteigerwaldDie schwarze Schmach

Schon im Herbst 2012 hat das Historische Museum mit der Ausstellung »Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg« ein bisher wenig beachtetes Kapitel des internationalen Kolonialismus beleuchtet (siehe Strandgut 12/2012). Bis Mitte Februar noch, thematisiert die Ausstellung unter dem denkwürdigen Titel »Gefangene Bilder. Wissenschaft und Propaganda im Ersten Weltkrieg« jetzt den deutschen Blick auf die überwiegend in Afrika rekrutierten Soldaten der Feindesallianz im Ersten Weltkrieg und den Umgang mit ihnen als Gefangenen. Dass dieser Blick rassistisch durchtränkt ist, wird niemandem überraschen.
Im Fokus der Schau steht vor allem die Rolle der Forschung und Wissenschaft Aber es wird auch vom Entsetzen und der tiefen Schmach der späteren Kriegsverlierer berichtet, sich an der Front, aber auch später als Besatzer, »Wilden« ausgesetzt zu sehen. Menschen also, die es bis dato für sie im Zirkus und auf Jahrmärkten zu bestaunen gab: eine »Kulturschande«. Dass Frankreich und England sich durch deren Einsatz selbst demaskierten, das stand für die zivilisierten Deutschen außer Frage.   
Im Mittelpunkt der Schau stehen 15 Schwarzweißporträts von hervorragender technischer Qualität, die dem Wissens- und Anschauungsdrang insbesondere von Leo Frobenius zu verdanken und vor gut zehn Jahren erst in einem Lager des zur Frankfurter Uni gehörenden Instituts entdeckt worden sind, das seinen Namen trägt. Das auffälligste davon ist das von kriegerischen Schmucknarben gezeichnete Gesicht, dessen Identität und Herkunft erst jetzt bei den Nachforschungen ermittelt werden konnten. Es gehört Lusani Cissé aus Burkina Faso. Die Aufnahme des damals 26-Jährigen stammt aus dem »Halbmondlager« Wünsdorf bei Zossen in Brandenburg, in dem das Kaiserreich moslemische Gefangene für eigene militärische Zwecke an der Seite des kriegsverbündeten Osmanischen Reiches vorzubereiten trachtete und dort sogar – dies am Rande – die erste deutsche Moschee errichten ließ. Das markante Gesicht Cissés taucht auf einer späteren Gruppenaufnahme in einem Lager in Rumänien auf.
Zu den erstmals gezeigten Fundstücken gehören weitere eindrucksvolle Fotografien aus Wünsdorf sowie Film- und Tonaufnahmen von Zeitzeugen. Auch die keineswegs gleichberechtigte Rolle der mehr als 400.000 Soldaten aus Nord- und Westafrika in der französischen Armee kommt zur Sprache.

gt (Foto: Deutsche Propagandapostkarte 1914, © Peter Steigerwald)
Bis 15. Februar: Di.–So. 10–15 Uhr; Mi. bis 21 Uhr
www.historisches-museum.frankfurt.de

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