Grand Budapest Hotel (Start: 6.3.2014)

Grand Budapest Hotel (Start: 6.3.2014)Liebevolle Umständlichkeiten

»Grand Budapest Hotel« von Wes Anderson

Ein idealer Berlinale-Beginn, wie aus dem Bilderbuch: »Grand Budapest Hotel« hatte alles zu bieten, was einen gelungenen Eröffnungsfilm ausmacht. Einen Haufen Stars als Mitwirkende, die dann auch leibhaftig in Berlin erscheinen, eine mit vielen visuellen Ideen gespickte Handlung und mehr als ein Hauch von Nostalgie. Wie prachtvoll war doch die Belle Époque!

Dabei ist die Frage, in welcher Zeit der Film beginnt, gar nicht so einfach zu beantworten. Ist es in der Gegenwart, in der ein junges Mädchen ein Buch liest, das in den sechziger Jahren geschrieben wurde? Oder wenn die Geschichte dem noch jungen Schriftsteller vom Besitzer eines heruntergekommenen Grand Hotels erzählt wird? So genau weiß man am Ende nicht mehr, wie die eigentliche Erzählung vom legendären Concierge Gustave H. verschachtelt ist. Rückblenden über Rückblenden, und das ist typisch für Regisseur Wes Anderson, der sich seit jeher einen Spaß aus liebevoll geschilderten Umständlichkeiten macht. Anderson baut seine Filme zusammen wie eine Modelleisenbahn.

Das Luxushotel Grand Budapest, das dem Budapester Hotel Gellért nachempfunden ist, steht auf einem Berg in Zubrowka, einem Phantasie-Ungarn. Eine Bergbahn führt hinauf in diesen Zuckerbäckerpalast. 1932, wenn die Geschichte einsetzt, sind die Figuren, die aus der Zeit vor den Weltkriegen zu stammen scheinen, schon selbst ein Stück Vergangenheit: der hilfreiche Concierge Gustave H. (Ralph Fiennes) und sein gelehriger Schüler, der Lobby Boy Zero Moustafa (Tony Revolori). Sie sehen ihre Aufgabe darin, den mondänen Gästen jeden Wunsch zu erfüllen, möglichst schon, bevor sie ihn geäußert haben. Unter eben jenen Gästen, die das Hotel bevölkern, befindet sich die steinreiche Gräfin Madame D. (Tilda Swinton als aufgedonnerte alte Dame), die alsbald das Zeitliche segnet, nicht ohne vorher Gustave ein kostbares Gemälde vererbt zu haben. Das bringt ihre Familie, allen voran ihren Sohn Dmitri (Adrien Brody), in Rage. Er verdächtigt Gustave, die alte Dame umgebracht zu haben. Es folgen Flucht, Verhaftung, Gefängnisaufenthalt und -ausbruch und vieles andere mehr.

In weiteren Rollen treten auf: F. Murray Abraham als der alte Zero Mustafa, Saoirse Ronan als junge Konditorin, in die sich der Lobby Boy verliebt, Daniel Defoe in der üblichen Bösewicht-Rolle, Edward Norton als Polizeichef, Bill Murray als einer der Concierges, die Gustave helfen, und so weiter und so fort. Heiteres Personenraten, während der Film in Höchstgeschwindigkeit durch die Geschichte rast, überdreht bis zum Slapstick. Kaum zu glauben, dass Wes Anderson sich von Stefan Zweig inpirieren ließ, wie es am Schluss geschrieben steht.

In Wirklichkeit liegt Zubrowka übrigens mitten in Deutschland. Produziert wurde der Film vom Studio Babelsberg. Gedreht wurde in Görlitz und Umgebung. Das Innere des Hotels lieferte ein leeres Jugendstilwarenhaus, das für die Dreharbeiten hergerichtet wurde, und Geld gab es nicht zu knapp aus hiesiger Filmförderung. So wusch eine Hand die andere, und die Berlinale bekam einen repräsentativen Eröffnungsfilm, der auch prompt mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet wurde.

Claus Wecker

GRAND BUDAPEST HOTEL
von Wes Anderson, USA 2014, 100 Min.
mit Ralph Fiennes, Tony Revolori, Tilda Swinton, Jude Law, Saoirse Ronan, Bill Murray
Komödie
Start: 06.03.2014

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