goEast – 13. Festival des mittel- und osteuropäischen Films

Außergewöhnlich!

goEast – 13. Festival des mittel- und
osteuropäischen Films vom 10. bis 14. April in Wiesbaden

Der 70-jährige Wlodek war einst ein angesehener Klarinettist, Benny Goodman sein großes Vorbild. Wlodeks Sohn ist ein international bekannter Pianist, sein Enkel studiert in England. Die drei kommen zusammen, um Wlodeks Ehefrau zu suchen, die mit ihrem Liebhaber davongelaufen ist. Die Suche wird für die Männer aus drei Generationen eine Irrfahrt durch Polen, in deren Verlauf alte Wunden aufbrechen, aber an deren Ende ein tieferes Verständnis für die Gefühle des anderen und die eigenen Versäumnisse steht. Diese Geschichte erzählt Piotr Trzaskalsk im Drama »Mój rower« (Meines Vaters Rad), das im Wettbewerb von goEast laufen wird.

Insgesamt sind dort zehn Spiel- und sechs Dokumentarfilme aus Mittel- und Osteuropa am Start. Folkloristische Episodenfilme wie der russische Beitrag »Nebesnye zheny lugovykh mari« (Die Himmelsbräute der Wiesen-Mari) von Alexej Fedorchenko oder Alltagsgeschichten aus einem rumänischen Mietshaus wie in »Domestic« von Adrian Sitaru. Ein trostloses Bild aus der tschechischen Provinz entwirft Zdenek Jirasky in »Poupata« (Blütenknospen).

Die Spielfilme konkurrieren um den ŠKODA-Filmpreis in Höhe von 10.000 Euro. Darüber hinaus stiftet die Landeshauptstadt Wiesbaden den Preis für die Beste Regie (7.500 Euro). Das Auswärtige Amt lobt den Preis »für künstlerische Originalität, die kulturelle Vielfalt schafft« aus (4.000 Euro). Die Dokumentarfilme konkurrieren um den mit 10.000 Euro dotierten Dokumentarfilmpreis von der Stiftung »Erinnerung, Verantwortung und Zukunft« (EVZ).

Eine internationale Jury unter dem Vorsitz des ungarischen Regisseurs Benedek »Bence« Fliegauf entscheidet über die Vergabe. Fliegaufs mehrfach preisgekrönter Film »Dealer«, wurde 2004 bei goEast mit dem Preis für die Beste Regie der Landeshauptstadt Wiesbaden ausgezeichnet. Sein neuester Film »Csak a szél« (Nur der Wind), der auf der Berlinale 2012 mit dem Großen Preis der Jury bedacht wurde, läuft als Special im diesjährigen Programm. Außerdem vergibt eine Jury der FIPRESCI den Preis der Internationalen Filmkritik.

Die Retrospektive ist in diesem Jahr dem Ungarn Miklós Jancsó gewidmet, das Symposium beschäftigt sich mit der »Schwarzen Welle« im jugoslawischen Film der 60er und 70er Jahre. Damals war auch in Jugoslawien wie in den westeuropäischen Ländern Erneuerung und Revolte angesagt, und Filmemacher wie Dušan Makavejev, Želimir Žilnik u.a. hatten mit der Zensur zu kämpfen. Das ist heute in den ehemals sozialistischen Ländern nicht mehr der Fall. Doch die Osteuropäer produzieren aktuell die sperrigsten, die außergewöhnlichsten Autorenfilme in Europa – Filme, die im Wohlfühlkino hierzulande kaum eine Chance haben. Jetzt werden sie dort gezeigt, wo sie hingehören: im Kino. Und zwar in Wiesbaden in der Caligari FilmBühne, im Murnau-Filmtheater und im Alpha, in Frankfurt im Kino des Deutschen Filmmuseums, in Mainz im Palatin und in Darmstadt im Rex. Außerdem gibt es Vorführungen im Festivalzentrum in der Wiesbadener Casino-Gesellschaft. Dort erhält man auch Informationen zu weiteren Veranstaltungen des Festivals,

Claus Wecker

 

Info: http://filmfestival-goeast.de

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