Gesamtpunkwerk im Gutleut

theater_landungsbruecken_PunkVorschau Landungsbrücken:

Darmstadts Theaterquarantäne zu Gast

Man kriegt wohl einiges mit und durchaus auch auf die Ohren, von dem, was Punk einmal war oder gewesen sein könnte. Und ob es ihn überhaupt noch gibt. Wenn die Darmstädter Gruppe Theaterquarantäne in den Landungsbrücken bei der Wiederaufnahme ihres Stücks »Punk!« wie gehabt loslegt, dann klingen zum Beginn Love-Songs bester Hippie-Güte auf, um schon bald von krachenden Gitarrenriffs und knallharten Schlagzeugstakkatos der »Messerbrüder« an die Wand geknallt zu werden.
Der recht plakative Einstieg ist indes schnell vergessen in der collagenhaften Schau, die in loser Folge Szenen und Figuren von den Ursprüngen der Punk-Bewegung im New York der 60er Jahre wachruft. Szenen und Figuren, die erwartungsgemäß allein schon aus biologischen Gründen die wenigsten Besucher in den Landungsbrücken erlebt haben dürften, aber von denen viele doch wissen. Wie beispielsweise von Nico, der Muse des Punk-Gottvaters Andy Warhol, die aus Köln stammt und eigentlich Christa Päffgen hieß.  Und natürlich von ihrem legendären Filmtitelsong »Chelsea Girl«. Mit Julia Rothfuchs feiert eine Landungsbrückengründerin in der Rolle der Songlegende von Velvet Underground – und etlicher anderer kaputter Gestalten der Ära – eine feucht-fröhliche Wiederkehr im Gutleut. An der Seite von Rothfuchs wirft Christian Ihringer den Abend, der neben Lou Reed auch William S. Borroughs verkörpert, von dem der schöne Satz stammt: »Punk ist, wenn dir alles am Arsch vorbeigeht«. Regisseur Hanno Hener pimpt seine von Live-Musik getragene Inszenierung noch mit authentischem Film- und Audiomaterial zum Gesamtpunkwerk, das bisher, wie es sich gehört, noch immer mit lautem Johlen gefeiert wurde.  Punk not dead.

gt (Foto: Landungsbrücken)
Termine: 12., 13. März, jeweils 20 Uhr
www.landungsbruecken.org

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