Generalverdacht (113)

Die Kölner Polizei war so rücksichtsvoll, uns die Herkunft der Silvester-Randalierer auf der Domplatte nicht mitzuteilen (obwohl es die Spatzen bereits von allen Dächern pfiffen), weil sie wollte, dass einerseits Muslime nicht unter Generalverdacht gerieten (was sie, mit Verlaub, bereits sind) – und andererseits, weil man den sogenannten Rechten nicht auch noch den Beweis des Scheiterns frei Haus liefern wollte. Dazu hätte anscheinend auch der Ruf nach Verstärkung gehört, obwohl diese verfügbar, wenn auch nur in kleiner Zahl, und angeboten worden war.
Seitdem ereifert man sich links und rechts über ein sogenanntes »Schweigekartell«, das es – so die Mitte der Gesellschaft (das sind natürlich wir) – nicht gäbe. Einen »Beweis« dafür lieferte Oliver Welke in der »heute-show«: seit 2010 seien die Themen »Islam«, »Flüchtlinge« und »Integration« allein in den großen Talkshows im Deutschen Fernsehen mehr als 80-mal verhandelt worden.
Ein Beweis ist das aber nicht, denn es kommt auf die Positionen an, die in diesen Sendungen vertreten wurden. Und die Hypothese sei erlaubt, daß sie sich durch Beschönigung, Verniedlichung und den Kinderglauben, erstens – mit Geld sei jedes Problem lösbar, und zweitens – es müsse für alles einen nachvollziehbaren, also vernünftigen Grund geben, auszeichneten. Zudem sind (nicht nur) bei Talk-shows Meinungsabweichungen von ca. 10% nach rechts oder links erlaubt bzw. erwünscht . Denn wenn alle das Gleiche sagen, wird es langweilig – oder sieht nach DDR aus.
Nicht erlaubt ist jedoch, eine grundsätzlich andere Meinung zu äußern, wie z.B. die AfD, der Herr Sarrazin, ein beliebiger Kernkraftbefürworter oder Jürgen Todenhöfer, der vormals Zuständige für politischen Kitsch. Es sei denn, der Renegat nimmt billigend in Kauf, von den Meinungsführern oder per Shitstorm öffentlich abgewatscht zu werden.
Mittlerweile kann sich zudem kein öffentlich-rechtlicher Sender mehr erlauben, »solchen Leuten« eine »Bühne« für ihre Ansichten zu geben. So weigerten sich offenbar Malu Dreyer und die Grünen in einer Wahlkampfsendung des SWR gemeinsam mit der AfD aufzutreten, obwohl das ziemlich feige ist, ein gestörtes Demokratieverständnis aufweist – und der AfD eine Menge zusätzlicher Stimmen einbringen wird.
Übersetzt heißt so eine Haltung: Wir bleiben unter uns – und behandeln die Probleme auf die »einzig sinnvolle«, also unsere Art – und das, Mitbürger, Freunde, Römer, kann man durchaus Kartell nennen.
Vermutlich sind wir das unserem stetig wachsenden Widerstand gegen Hitler schuldig. Es könnte aber auch Folge einer der vielen segensreichen Errungenschaften aus den 70ern ff. sein, als es noch hieß: »Keine Freiheit für die Feinde der Freiheit«.

Kurt Otterbacher

P.S. Neues vom Islam:
Gerade erreicht uns die Nachricht, dass in Saudi-Arabien eine Fatwa gegen das Schachspielen erlassen worden ist. Es sei wie Alkohol und Glückspiel »Teufelszeug«. Demnach ist den Gläubigen nun fast alles verboten, was Spaß machen könnte in diesem Leben. Selbstmordattentate sind bestenfalls ein kurzer Spaß.

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