Gallus Theater und Mainzer Kammerspiele: »Frameless« von der Delattre Dance Company

Tanz gegen Schubladen und Vorurteile

Wieder ein gemischter Ballett-Abend der Delattre Dance Company. 2012 vom Choreografen Stephen Delattre gegründet, ist die Gruppe längst eine feste Größe in der Region mit regelmäßigen Auftritten an den Mainzer Kammerspielen, ihrem Heimathafen, und im Gallus-Theater. Unter dem Titel »Frameless« werden nun fünf Stücke präsentiert, drei stammen vom Gründer der Company selbst, und jeweils eines choreografierten Lucyna Zwolinska und Louis Stiens.
Getanzt wird auf hohem Niveau, aber nicht allein des Tanzes wegen. Neben dem Wie gehe es auch darum, was getanzt werde, kündigt Delattre» aktuelle Themen« von gesellschaftlicher Relevanz an: »Das Publikum mag es, wenn es eine Verbindung zwischen der Realität und den auf der Bühne gezeigten Emotionen im Tanz zu sehen gibt.« Auch viel neues Interesse könne damit für den Tanz generiert werden. Konkret soll es in »Frameless« um unsere Beschränkungen gehen – im Inneren wie von außen. Um unsere Vorurteile, unser Schubladen-Denken und um die vorgefertigten Meinungen, denen wir in vorgegebenen Rahmen (Frame) folgten. Und es geht um Wege, diese aufzuweiten oder zu sprengen.
Die Polin Lucyna Zwolinska, die an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt 2007 ihr Tanzstudium abschloss, nimmt mit der Company ihre schon mehrfach ausgezeichnete Choreografie »Droga«, was für »Weg« im Polnischen steht, wieder auf und fragt: Was bewegt uns, treibt uns an, hält uns auf? Der Münchner Louis Stiens ist Mitglied des Stuttgarter Balletts und studiert für sein erstes Engagement mit den Mainzern seine Arbeit »Match Box« neu ein.
Delattre selbst trägt neben der früheren Arbeit »Human Machine«, die er wieder aufnimmt, zwei neue Choreografien zum Ballettabend bei: das stark autobiographisch gefärbte »Drawers(Schubladen) of forgotten Memories« und das Stück »Borderlines« nach einer von Maurice Ravels »Bolero« inspirierten Eigenkomposition des kanadischen Musikers und Tänzers Davidson Jaconello, mit dem er musikalisch immer wieder eng zusammenarbeitet.
Derzeit besteht die Company aus zehn erfahrenen Tänzern und drei Nachwuchstalenten, die Delattre auf den hochfrequentierten Auditions in Rom und Amsterdam rekrutiert hat. Neben der klassischen Ausbildung gepaart mit modernen Ausdrucksformen legt er dabei großen Wert auf die Internationalität, die Persönlichkeit und die schauspielerische Fähigkeiten der Tänzer.Seine Gruppe sei heute »eine Familie«, betont der Choreograf: »Ich glaube, dass das Publikum diese Verbundenheit und die Arbeitsintensität unserer Company bei jedem Auftritt spürt«. Was man nur bestätigen kann, wächst das allgemeine  Interesse doch seit der Gründung stetig. Gleichwohl bleibt die Frage nach stärkerer Förderung nicht aus. Für eine Plattform des neoklassischen Tanzes, die die Region mit einer speziellen Farbe ihrer Kunst bereichert, ist diese mehr als berechtigt.

Walter H. Krämer (Foto: © Klaus Regele)
Termine Mainz: 16., 17., 18. Februar, 20 Uhr; 19. Februar, 18 Uhr
Termine Gallus: 24., 25. Februar, 20 Uhr
www.mainzer-kammerspiele.de
www.mainzer-kammerspiele.de
www.gallustheater.de

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