»Frank Zappa – Eat that Question« von Thorsten Schütte

Der Entertainer

An Zappa haben sich viele schon versucht und gerieben, und allzu oft ist nicht viel dabei rumgekommen, weil Zappa eben nicht nur eine Person ist, sondern mehrere. Und weil er auf Erwartungen, auch auf die an Interviews oder Porträts, nichts gegeben hat. Gut möglich, dass es Zappa, diesem avantgardistischen Outlaw, ziemlich egal war, was andere über ihn dachten. Aus seiner Musik, gerade aus seinem letzten, posthum veröffentlichten Album »Dance me this«, jedenfalls kann man heraushören, dass er weder verstanden noch gemocht werden wollte. Schon gar nicht wollte er, im Bewusstsein seiner Krebserkrankung, die er nicht mehr behandeln ließ, der Welt ein letztes Abschiedswerk schenken. Oder, um es im Zappa-Slang zu sagen: Nachruhm, my ass.

Thorsten Schütte hat für seinen Zappa-Film den denkbar besten Weg gefunden, sich Zappa zu nähern: er lässt ihn selbst sprechen. Schütte hat in Europa, Amerika, Asien, Australien verschollene Ton- und Bilddokumente gesammelt und sie zu einer abendfüllenden Dokumentation montiert, deren Weltpremiere beim Sundance Film Festival stattfand. Es ist vor allem ein öffentlicher Zappa, den wir da hören und sehen, einer, der sich entzieht und spielt, auch und gerade mit den Medien selbst. Mit den Fragen, die an ihn gerichtet werden (»Eat that question«), den Bitten um die dümmsten Aufsager für Sendeteaser. Es ist immer also auch ein Film über die Abgründe und Absurditäten des medialen Betriebs.
Das ist oft großartig und amüsant, weil Schütte in der Montage des vielen Archivmaterials eine Energie und ein Tempo findet, eine unaufgelöste Widersprüchlichkeit oft auch, die zu seinem Protagonisten passen. Weil er gar nicht vorgibt, es auf den ›wahren‹ Zappa abgesehen zu haben, sondern viel lieber mit dem schillernden, schauspielernden, Haken schlagenden Performer spielt. Oder, wie es Zappa in einem dieser absurden Interviewsettings, auf einem roten Sofa in heimeliger Wohnzimmeratmosphäre, auf die Frage sagt, wie er denn nun sich und seine Profession beschreiben würde: »I’m an Entertainer«. Zappa, das wird schnell klar, will sich nicht festlegen lassen. Nicht einmal von seinen Fans. »Manche mögen nur die ersten Alben und halten sich für wahre Fans. Aber diese Typen haben sie nicht alle. Sie haben keine Ahnung von mir. Sie haben keine Ahnung, was wir heute machen. Sie kennen mich aus dem Rolling Stone Magazin. Sie sind engstirnig. Und ich kann engstirnige Menschen nicht ausstehen.« Schütte hat auch viele unbekannte Auftritte von Zappa aufgetrieben. Dokumente eines Performance-Willens, der den damals noch jungen Pop- und Rock-Betrieb sprengte.
Und das Establishment herausforderte. Immer wieder wird Zappa in Schüttes Dokumentation öffentlich angegriffen, von Fragestellern, die ihm vorwarfen, die Revolution zu Geld zu machten, die seine Obszönitäten anklagten oder ihn schlicht einen Perversen nannten. In der schönsten Situation, einer Gesprächsrunde der CNN-Polit-Talkshow »Crossfire«, sitzt Zappa, selbst mit Anzug und Krawatte, inmitten dreier ältlicher Herren und diskutiert die Frage, ob der Staat das Recht haben soll, Songtexte zensieren zu können. Ein Fernsehmoment für die Ewigkeit.

Tim Gorbauch (Foto: © Frank Deimel 1984)
FRANK ZAPPA (Eat That Question – Frank Zappa in His Own Words)
von Thorsten Schütte, F/D 2016, 93 Min.
mit Frank Zappa, Angel, Steve Allen, Chuck Ash, Theodore Bikel
Dokumentarfilm
Start: 08.12.2016

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