Filmtheater Valentin: Existenzkampf als Programm

Nachrufe sollten eigentlich nicht in unserer Reihe über bemerkenswerte Kinos in der Region vorkommen. Der folgende Text ist im Ton eines solchen geschrieben. Ob es wirklich einer wird, ist noch nicht ausgemacht – es fehlt leider nicht mehr viel.

Vor genau fünf Jahren erschien die »Frankfurter Neue Presse« mit einem Artikel unter der Überschrift »Rettet das Filmtheater Valentin!«. Der für Höchst zuständige Lokalredakteur kann diese Schlagzeile heute wieder genauso ins Blatt setzen, denn das Kino ist erneut in seiner Existenz gefährdet. Damals musste das Haus in der Windthorststraße 86 einer Kita weichen, diesmal liefert die Renovierung des Bolongaropalastes den Grund für Befürchtungen, dass es mit dem Filmtheater Valentin zu Ende gegangen sein könnte. Denn ob es nach der Sommerpause weitergeht, und wenn ja, wie – das steht in den Sternen.
Dabei fing alles so schön an. Das 1953 errichtete Gebäude diente den amerikanischen Soldaten zunächst als Theater, später nur noch als Truppenkino. Als die Amerikaner im Zuge der deutschen Wiedervereinigung abzogen, übernahm die Lobby für Wohnsitzlose das Gelände, und die übertrug der Medienwerkstatt mit deren Gründer Werner Rosmaity und Maria Wismeth das Kino. Nach gründlicher Renovierung und mit neuer Technik wurde 1994 das Filmtheater Valentin eröffnet. Fortan waren auch Arthouse-Filme, am Anfang oft in Originalfassung mit Untertiteln, die speziell den Gehörgeschädigten angeboten wurden, auf einer großen Leinwand wie sonst nirgendwo in Frankfurt (allerdings mit einem etwas halligen Ton) zu sehen. Und die große Bühne wurde zudem für diverse Veranstaltungen genutzt, ein Höhepunkt waren das Konzert der hr-Bigband mit Mancini-Filmmusik und die anschließende Vorführung von »Frühstück bei Tiffany«. 350 harte Holzsitze, mit komfortablem Reihen-Abstand (1,40 m von Rückenlehne zu Rückenlehne) gab es, dazu einen praktischen Mittelgang und am Ausgang original amerikanische Türen mit der Querstange als Öffner. Das Foyer war klein, aber urgemütlich mit Sofa und stets freundlichem Kassenpersonal. Kurz: das Filmtheater Valentin war ein Schmuckstück in der Frankfurter Kinoszene.
Mit dem Umzug in den Bolongaropalast ging es im Miniformat weiter. Jetzt standen nur noch fünfzig Plätze zur Verfügung, und die Leinwand war entsprechend. Nach Rosmaitys Angaben war ein großer Saal im zweiten Stock aus Sicherheitsgründen (Flucht bei einem Brand) nicht kinotauglich. Dass das Flair des alten Kinos verloren gegangen war, gibt der Filmbegeisterte, der sich in seiner Jugend mit Super8-Kurzfilmen dem Kino näherte, unumwunden zu. Rosmaity möchte jetzt nur unter günstigen Bedingungen weitermachen. Sein Wunsch ist ein Kino im Bahnhof Höchst, doch das scheint zurzeit nicht realistisch. Auf jeden Fall wäre Valentins Ende ein herber Verlust für die hiesige Kinoszene.

Claus Wecker

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